10.12.2018

Die Viren, die ich aus Deutschland in Erkältungsform mitgebracht habe, verstehen sich prächtig mit den neueeländischen und feiern offenbar nachts dicke Feten in meinem Körper, deren Reste ich morgens beseitigen muss. Es dauert lange, bis ich meine Nebenhöhlen frei und die Bronchien leer gehustet habe. Tagsüber geht es mir nicht schlecht, und nur manchmal wache ich nachts auf, weil ich erst einmal nur noch huste. Aber heute – heute nervt es mich unsagbar! Dabei ist heute endlich wieder tolles, schon richtig warmes Wetter. Wir machen uns auf den Weg, nach Te Anau, wo wir ein wenig bleiben werden, ist es ungefähr eineinhalb Stunden – auf der Scenic-Route. Richtig genießen kann ich es noch nicht, aber das nächste Café ist unser! Wir sind ca. 15 km gefahren, als Bernd fragt, ob wir eigentlich unseren Tisch eingepackt haben – NEIN! Das war der Huckel heute morgen beim Losfahren! Und gestern Abendkarten wir noch gelästert, dass wir ihn so unters Auto legen sollten, dass wir ihn beim Drüberfahren nicht beschädigen. Da wir keine Umweltschweine sein wollen, drehen wir und fahren zurück. Der Tisch liegt noch da, er ist noch ein wenig verbeulter und hat einen Reifenabdruck… Aber er läßt sich immer noch aufstellen. Wir laden ihn ein und beginnen die Tour noch einmal. Gleich 3 km weiter sehen wir Leute an einem Haus draußen sitzen – ein Café! Das haben wir vorhin gar nicht gesehen. Wir setzen uns nach draußen und genießen Sonnenschein und neben einen Cappuccino einen Cookie (Bernd) und ich einen Spinat-Feta-Oliven-Rollo, lecker! Das Café hat eine Auszeichnung für das beste Café 2018! Und absolut zu Recht! Total gemütlich, innen wie außen und leckeren Kaffee und davon uns probierte Essen war klasse!


Die Berge kommen langsam näher, wir nähern uns dem Fjordland. Te Anau, wir kommen! Das Städtchen, in dem ich die Christchurcher Freunde kennengelernt habe, in der ich im Kino war und außerdem Sylvester gefeiert habe. Touristisch, aber das ist okay! Wir wollen nun auch wieder einen Campingplatz anlaufen und chillen. Richtig gut drauf bin ich nämlich immer noch nicht. Und so machen wir es auch. Eine heiße Dusche wirkt schon mal Wunder und danach lümmel ich mich auf zwei Sessel im Aufenthaltsraum. Ein wenig Lesen, auf dem iPhone rumtüteln, die Energie schleicht sich wieder an. Da wir ja heute nun eine Küche zur Verfügung haben, kaufen wir richtig gut ein, und nein, heute gibt es keine Nudeln! Kartoffeln, Blumenkohl und ein schönes Steak, ein richtiges Festessen! Nach dem Abwasch chillen wir noch weiterhin und gehen bald ins Bett.

Es gibt also von diesem Tag gar nicht so viel zu berichten.

09.12.2018

Heute morgen beschließt Bernd, dass er eigentlich nicht unbedingt zum Slope-Point möchte, und mir ist es recht – ich bin dort gewesen und muss es nicht noch mal. Nett, aber es reicht einmal. Das Wetter lädt auch wirklich nicht zum Wandern oder überhaupt zum Draußen-Sein ein. Es ist gelinde gesagt, norddeutsches Schmuddel-Wetter! Pisswetter! Grau, nieselig, bald Regen. Unser Anlaufziel ist nun Invercargill, die nächste größere Stadt, in der wir ein paar Einkäufe erledigen wollen – Sonntags scheint hier der Einkaufstag schlechthin zu sein. Als erstes steuern wir den Supermarkt an, denn wir möchten ein Sonntags-Frühstück mit Brötchen. Naja, Brötchen kann man diese flaffigen Teigbälle zwar nicht nennen, aber witzigerweise sehen sie superkross aus – wie so ein Anblick doch täuschen kann. Ich persönlich finde es ja nicht so schlimm, ich mag ja flaffiges, und Bernd bleibt nichts anderes übrig als damit zu leben, wenn er nicht nur Müsli essen möchte. Inzwischen gießt es allerdings und wir überlegen, wo wir am besten unseren Tisch decken. Da entdecken wir an der Hauptstraße ein Geschäft mit einem großen Vordach, breit genug, dass wir mit dem Auto drunter fahren und dann noch Platz für Tisch und Stühle haben. Der Herd ist schnell aufgebaut, der Tee gekocht und wir genießen ziemlich unorthodox.


Den Tag planen wir nur soweit, dass wir als nächstes die Stadtbibliothek ansteuern wollen. Dort verbringen wir war und gemütlich die nächsten zwei Stunden. Lümmelnd auf einem Sofa, viel Platz und überall Teppich, es ist kuschelig. Gleichzeitig gibt es Strom und Wifi!
In einem Baumarkt sorgen wir dann dafür, dass wir jeder Kontrolle auf einem self-contained Campingplatz Stand halten können: wir kaufen uns ein Campingklo! Und wehe, jemand benutzt es, aber wir rechnen schnell aus, dass es sich lohnt, wenn wir weiterhin umsonst übernachten wollen. Und in Dunedin haben wir ja bereits gelernt, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt. Von wegen, „es ist gerade kaputt“, oder „morgen kaufen wir uns eines“ wird wahrscheinlich nicht erfolgreich sein.
Von Invercargill nehmen wir weiterhin die Scenic-Route, die über Riverton führt. Ich war letztes Mal so angetan von diesem Städtchen, dass nun sehr ruhig wirkt. Sonntag, grau, später Nachmittag… Unsere Laune ist inzwischen auch nciht mehr so richtig gut – wir haben Hunger, aber es ist einfach zu kalt, um uns draußen hinzusetzen. So bereiten wir uns erst einmal ein Müsli zu und speisen im Wagen. Die Laune ist zwar nun besser, aber trotzdem wissen wir nicht, wie wir nun am besten weitermachen. Und was hilft da am besten? Weiterfahren? Nein! Spazieren? Jawohl! Wir ziehen uns warm an und machen einen richtig langen Strand-/Uferspaziergang, und es tut richtig gut! Mein Schrittzähler stöhnt schon fast, wir sind sicherlich 7 bis 8 km gelaufen, wunderbar.

Bis zum nächsten kostenlosen Campingplatz sind es eine halbe Stunde Fahrt, in die richtige Richtung, und wir landen direkt an der Küste. Der Himmel ist aufgeklart, dick eingemümmelt braten wir uns Spiegeleier und schnibbeln Tomaten und Gurke, ein bisschen dunkles Brot (german bread – genauso zusammendrückbar wie alle!) dazu, wunderbar. Unser Humor siegt wieder und wir haben viel Spaß von wegen „In der Sonne Urlaub machen kann jeder!“ „Wir machen hier ein Café auf und nennen es „das letztes vor der Antarktis“!“und weitere Sprüche. Wer braucht schon Sonne, um glücklich zu sein? (Ein bisschen wärmer würde schon fast reichen…)

Aufräumen…

Und so sieht es abends aus…

 

Ich wünsche euch allen einen fröhlichen zweiten Advent!

8.12.2018

Abgesehen davon, das ich nachts immer wieder zu Bernd gerutscht bin, weil das Auto schief steht, schlafe ich gut und bin Morgens ausgeruht. Es hat in der Nacht geregnet, doch nun ist es trocken und wir fahren ohne Frühstück erst einmal los. Dabei gibt es gleich das Handicap, dass wir den Tisch vergessen haben, den wir nachts unterm Auto lagern – nun ist er ein wenig eingedellt… immerhin ist nur ein Reifen drüber gefahren…

Der Tag ist bisher bestimmt durch ein wenig fahren, Strandspaziergang, wieder ein bisschen fahren, Chillen beim Picknick-machen und ein Gang zu den MacLead Falls – wunderschöne Wasserfälle.


Eigentlich war durchgängig Regen angesagt, aber dasWetter hält sich viel besser als gedacht. Unser nächstes Ziel ist die Curio Bay, in der ich letztesMal Delfine und Pinguine gesehen habe, hoffentlich klappt es auch heute. Noch aber sitzen wir in einem Café draußen, die Vögel zwitschern und überall durftet es nach spätem Frühling – und von drinnen schallt „Silent night, Holy night!“ nach draußen. Irgendwie komisch, passt nicht so richtig zusammen. Es durftet nach Geburtstag (ich habe im Mai!), weil überall der Ginster blüht – und das erinnert mich an Geburtstag! Ob ich jetzt schon wieder ein Jahr älter werden möchte, sei mal dahin gestellt, aber Geschenke? Da fiele mir schon so einiges ein.

In den Catlins – ich hatte es verdrängt – gibt es kein Wifi und keinen Empfang. Da hat sich in den drei Jahren nichts geändert. Ich kann nicht sagen, dass es mir total fehlt, wahrscheinlich auch nicht so sehr, weil ich dieses Mal nicht alleine bin und dementsprechend nicht so angewiesen, mich meinen Lieben mitzuteilen. Dass ich aber meinen Blog nun nicht reinstellen kann und heute vormittag nur Text und keine Bilder, ist schon komisch. In diesem Café gäbe es Wifi, aber so immens teuer, dass es einfach noch warte.

Nach dieser Pause geht es zur Curio Bay. Dort habe ich beim letzten Mal Pinguine gesehen und hoffe es nun auch wieder! Damals ging eine Strasse zu den Delphinen und eine andere zu den versteinerten Baumstämmen und den Pinguinen. Heute gibt es ein Infozentrum in der Mitte, von da aus gehen die Wege zu einem Ausguck sowie einen weiteren hinunter zum Strand.
Wir haben Glück, denn es ist Ebbe. Bereits vom Ausguck sehen wir zwei der goldigen Geschöpfe unten stehen, später können wir sie unten noch weiter beobachten. Die Wartezeit, bis sie erneut auftauchen, verbringen wir mit einem Gespräch mit einem Jungvermählten Paar, er aus Frankreich, sie aus Kanada, beide lebend in New York. Wieder einmal ist es doch klasse, wenn man sich auf Englisch unterhalten kann.
6 km vor der Bay erinnerte ich einen kostenlosen Stellplatz für „self-contained“ Vans. Wir haben zwar den Aufkleber, aber ja kein Klo an Bord, was nur auf dem Papier wichtig ist. Die öffentlichen Toiletten sind wunderbar und ich glaube kaum, dass da einer sein Autoklo benutzt. Aber so sind die Vorschriften. Egal, wir vertrauen auf das Schild und dass uns keiner heute abend kontrollieren wird, machen noch einen kleinen Gang, essen ein paar Brote im Auto und gehen dann ins Bett. Es ist doch immer wieder unglaublich gemütlich, sich einzukuscheln, wenn es draußen kalt und windig ist!

7. 12: Ab in die Catlins

Weiterhin in Dunedin

6.12

Ausschlafen, frühstücken, ab in die Stadt – dort ist es zunächst schwierig, einen Parkplatz zu finden, also halten wir für den ersten Kaffee auf einem Supermarkt-Parkplatz. Wir sind sicherlich nicht die ersten und einzigen, die so etwas ausnutzen wollen, denn überall stehen Schilder, die darauf hinweisen, dass 90 Minuten erlaubt sind und das nur für den Einkauf.
90 Min. sollten erst einmal reichen, das Café  ist fast gegenüber. Bernd möchte mit Sven telefonieren, ich schreiben, und so vergeht die Zeit viel zu schnell. Damit wir uns weiterhin Ruhe lassen können, wandere ich zum Parkplatz, um den Wagen umzuparken und sehe schon zwei Ordnungshüter, die Striche an die Reifen malen, um dann nach einer Zeit zu kontrollieren, ob der Wagen sich bewegt hat. Unser Van ist auch schon markiert und ich freue mich tierisch, ihnen ein Schnippchen schlagen zu können. Fröhlich steige ich ein, schnalle mich an, will steuern – und da ist kein Steuerrad. Ich sitze auf der falschen Seite …. Also umgesetzt und das Auto auf einen anderen Platz gestellt, 50m vom alten entfernt, die Markierung mit dem Fuß noch weggewischt und schon haben wir wieder Zeit, hurra. In NZ gibt es keine Parkscheiben, durch die Markierungen wissen die Politessen ob man die Zeit überschritten hat.


Wir besichtigen noch ein wenig die Innenstadt, parken aber den Wagen doch noch lieber um. Zwei Schilder stehen nebeneinander: P 5 und Parken Max. 1 Stunde 2$. Wir interpretieren das so, dass man 5 min kostenlos stehen darf und ansonsten zahlen muss. Wir zahlen und gehen besten Gewissens in die Bibliothek. Wie erstaunt wir sind, als bei der Rückkehr ein Ticket an der Scheibe klebt, könnt ihr euch vorstellen. Eine Frau klärt uns auf, dass P5 für die ersten beiden Plätze gilt – auf dem einen stehen wir…. Bezahlen kann man im Bürgerbüro, 5 Minuten von uns entfernt, also machen wir uns auf den Weg. Da wir bei der Registrierung die Adresse unserer Christchurcher Freunde angegeben haben, möchten wir nicht, dass ein Brief bei denen landet. Allerdings nehmen wir uns vor, uns unaufgeklärt zu stellen, vielleicht hat der oder die Mitarbeiterin ein Einsehen und storniert das Ticket. Immerhin haben wir ja bezahlt!
DieFrau am Schalter ist unglaublich nett und es tut ihr wahnsinnig leid! Dass wir so etwas in Dunedin erleben müssen! Als sie erfährt, woher wir kommen und was wir hier machen,  erkundigt sie sich begeistert nach unserer Reise und das weitere Vorgehen, zeigt uns sofort ein Foto ihres Elternhauses in der Nähe von Queenstown- total einsam und wunderschön, Wie so viele auch hier im Land ist sie angetan davon, dass wir uns so eine Auszeit in ihrer Heimat gönnen.
Da das Ticket bereits im System ist, kann sie leider nichts machen, einzig könnten wir schriftlich Einspruch einlegen. Natürlich bezahlen wir lieber die ungerechnet 9€. So ein nettes, allerdings teures Gespräch erheitert trotzdem unser Gemüt.
Für den Nachmittag haben wir nach so viel Ausruhen eine Fahrt zur Halbinsel unter Dunedin geplant. Es ist zwar nicht mehr ganz früh, aber es ist ja auch lange hell. Ich hoffe sehr, einen oder mehrere Albatrosse zu sehen. Letztes Mal bin ich nicht in den Genuss gekommen, und eine Führung war mir zu teuer. Ich weiß den Preis nicht mehr – aber 30$ würde ich heute dafür ausgeben. Das fände ich zwar viel, aber trotzdem, ich möchte einen Albatros sehen!
Zunächst aber begeben wir uns auf die kostenlosen Aussichtspunkte, sehen Unmengen an Brütenden Möwen und Kormoranen. Erst denke ich, einen Albatros fliegen zu sehen, aber dann stellt sich heraus, dass es ein Löffler ist, das finde ich allerdings auch toll, auch wenn ich den auch in Deutschland sehen könnte.
Im Albatros-Zentrum erfahren wir, dass eine Führung pro Person 53$ kosten soll, das ist mir immer noch zu teuer. Garantiert drei Nester, vorher ½ Stunde Vortrag, ob die Vögel fliegen, können sie natürlich nicht sagen. Nein, sehe ich ein, aber das Geld können wir besser anlegen. So trinken wir in dem wunderschönen verglasten Café einen Cappuccino und freuen uns tierisch, als wir drei/vier mal einen dieser großen Vögel draußen fliegen sehen! Und auch als wir losfahren wollen, zeigen sie sich noch einmal in ihrer Schönheit! Was für ein großartiger Ausflug!

 

7.12
Hinein in die Catlins
Ich hab schlecht geschlafen in dieser Nacht, irgendwie wußte ich nicht, wie ich liegen sollte. Manchmal vermisse ich ja doch mein großes Bett. So lassen wir auch diesen Tag, der endlich wieder Sonne bereithält, langsam angehen. Wir fahren zunächst zur Universität in der Stadt, die erste in Neuseeland. Sie ist in ihrem viktorianischen Stil sehr beeindruckend, unglaublich gepflegt und einladend. Man sieht allerdings auch, dass die Studiengebühren sehr hoch sein müssen….

Gerade werden einige Studenten eingekleidet, sie stehen vor der geologischen Fakultät Schlange und kommen mit Plastikbeuteln heraus, in denen ihre Robe und der Hut drin ist – die Tüten sind alle durchsichtig, wir haben uns nicht den Inhalt zeigen lassen!
Bei schönster Sonne sitzen wir auf einen Balkon einer kleineren Kantine, genießen einen Ihr weißt schon was und erfahren, dass es kein öffentliches Wifi gibt, sondern nur das der Uni. Bernd braucht dringend einen internetzugang, da er einen Untermieter-Vertrag von Sven durchlesen möchte. Was sind wir erstaunt, als unsere Geräte selbständig ins Netz gehen- mit dem Code unserer Kinder. Dass wir in deren Universitäten im Netz waren, haben die Computer sich gemerkt, das verwunderten nicht. Aber dass offenbar dieser Zugang international ist, hat uns doch vom Hocker gehauen. So fühlten wir uns zur Abwechslung mal in Dunedin wie Studenten….
Nun verlassen wir aber endgültig die Stadt und machen uns auf den Weg in die Catlins. Die wunderschöne Scenic-Route führt meist an der Küste entlang, es ist traumhaft. Sanfte Berge auf der einen Seite, das grüne Meer auf der anderen. Und Bernd fährt…. Ich biete ihm an, ihn abzulösen, meine es aber nicht wirklich ernst.
Unser ersten Ziel ist der Nugget-Point – ein Leuchtturm, um den herum viele „Nuggets“, Felsen, im Meer stehen. Wunderschön, und das bei Sonne! Dazu weiße flauschige Wolken…


Letztes Mal bin ich nicht mehr hergefahren, die Strasse war eng und Schotter – heute ist sie ausgebaut und wunderbar befahrbar. Wie schön, dass wir es probiert haben, erst wollte ich ihn wieder auslassen…
Nicht nur die Natur hier ist faszinierend – dazu kommen, wir haben ja Fernglas dabei, dutzende Seelöwen, die unten auf den Felsen ruhen oder ihren Stolz präsentieren. Mütter säugen ihre Jungen und helfen ihnen aus der „Badewanne“ – einem Wasserloch auf dem Felsen. Kormorane brüten an steilen Felsen – nun weiß ich auch, warum die so große Füße haben!

Die Zeit ist vorangeschritten und wir müssen nach einem Schlafplatz Ausschau halten. Nach der wunderbaren Dusche heute morgen reicht natürlcih ein Naturplatz, den wir auf der App wählen. Eine fiese Schotterstrasse führt über 7 lange km hin, man hat Angst, das Auto bricht einem auseinander. Noch 3, noch 2,5 , noch 1 km, endlich sind wir da, erwarten, die einzigen zu sein, statt dessen stehen da bestimmt 20 andere Camper – große, kleine, Zelte. Wir suchen uns ein Grasstück, auf dem wir halbwegs gerade stehen, Blick aufs Meer und besuchen den Strand, bevor wir unser Essen zubereiten. Nachdem wir gestern Brot mit Spiegelei hatten, sind heute aber mal wieder Nudeln mit… dran!

05.12.2018

Nun muss ich doch glatt wieder einiges nachholen. Da ich abends im Auto nicht schreiben kann, ist es manchmal schwierig…
Wir sind inzwischen in Dunedin angekommen, und es herrschen Temperaturen wie bei Euch: heute morgen 9 Grad, dazu ein eisiger starker Wind. Es fällt schwer aufzustehen – aber das ist Abhärtung, jawoll! Da träumt man vom Frühstück im Freien, im sommerlichen Look, statt dessen habe ich mir heute morgen erst einmal alle warmen Klamotten aus der Kiste geholt, die ich mithabe, inklusive meiner Mütze!

Immerhin sind wir auf einem Campingplatz und können in die warme Küche – und haben vor allem heiße Duschen! Nun sitzen wir in einem gemütlichen Café in der Innenstadt, Bernd telefoniert mit Sven und ich möchte euch weiter auf dem Laufenden!

Wir erreichen also Oamaru, und schon bald, nachdem wir das Café verlassen haben, taucht die Sonne auf, inklusive viel blauem Himmel! Die Seele blüht auf! Wir stellen den Wagen auf einen Parkplatz, wo wir zeitlich nicht begrenzt sind und machen uns auf die Socken, laufen dorthin, wo die Pinguine abends kommen werden, machen tolle Aufnahmen vom Pazifik und freuen uns!


Anschließend gehen wir zum Auto zurück, fahren einkaufen und dann wieder ans Wasser, um ein schönes Picknick zu machen. Tisch und Stühle sind schnell aufgebaut, und wir müssen nur aufpassen, dass uns die Möwen nicht zu nahe kommen. Mehrere Spaziergänger sprechen uns an, geben uns noch Tips, wo wir am Abend Pinguine sehen können. Ein Autofahrer hält an, kurbelt das Fenster runter und meint “it looks lovely!” Oh yes, er hat Recht! Es geht uns supergut!

Die Pinguine kommen allerdings erst bei Dunkelheit und so organisieren wir einen Campground, den gleichen, auf dem ich vor drei Jahren war. Die Pächterin informiert uns wieder darüber, dass auch meistens auf dem Platz Pinguine sind und die auch viel Krach machen – wir werden uns überraschen lassen.
Nachdem wir alles geklärt haben, wollen wir im Städtchen noch einen Kaffee zu uns nehmen – aber alle Cafés sind geschlossen – und es ist man gerade 17:00! Und nicht nur die Cafés, auch die Geschäfte schließen allmählich, andere Länder, andere Öffnungszeiten….
Wir kochen uns auf dem Platz einen Tee und lesen ein wenig, bevor wir dann die obligatorischen Nudeln aufsetzen.
Es ist noch zu hell, als wie auf die possierlichen Tierchen warten, aber wir haben Geduld. Die Stelle, ander letztes Mal recht viele kamen, wird dieses Mal nicht betreut, kein Ranger weit und breit. Die Pforte, durch die sie durch müssen, ist geschlossen und mit einem Netz gesichert. Sollen die Kleinen hier nicht auf die Strasse? Wissen die das? Werden hier gar keine kommen?
Ein junger Mann aus Asien spricht mich an, ob hier welche zu sehen seien und ich erzähle ihm von meine Erfahrungen. Er löchert mich, als ob ich hier täglich stehen würde. Immerhin kann ich ihn motivieren, seiner Gruppe mitzuteilen, dass sie sich ruhig verhalten sollen und auf keinen Fall mit Blitzlicht fotografieren dürfen. Und plötzlich sind sie da, wenige, aber sie kommen! Aus einem Loch, das man nicht mal sehen konnte. Und sie warte, watscheln ein wenig hin und her, erst zwei, dann vier, dort ein fünfter, was watschelt da noch am Wasser?


Es wird immer dunkler, bald kann man nichts mehr sehen. Wir machen uns auf den Weg zum Bett – und entdecken gleich m Ufer, an dem Bernd meinte, hier könne ja keiner mehr sein, einen, der von der Strassenlaterne angeleuchtet wird und in Foto-Pose steht! Was für ein Glück.


Direkt am Platz stehen auch ein paar Leute, die uns zurück halten, weil gerade ein kleiner Pinguin über die Strasse laufen möchte- was für ein Erlebnis!
Erfüllt gehen wir auf den Platz, und dort hören wir sie – die Jungen rufen nach ihren Eltern und andersrum. Laut, fordernd. Einen können wir in der Dunkelheit noch ausmachen, die andren hören wir, und das die ganze Nacht!

Am nächsten Morgen regnet es, nein, es gießt. Es ist zum Glück nicht weit zu den sanitären Anlagen und zur Küche, trotzdem, muss doch nicht sein…
Weil wir gestern Abend eigentlich noch den weiteren Ablauf planen wollten, aber nicht dazu kamen, halten wir nach dem Auschecken im Café von gestern und breiten die Karte aus, um uns mal einen Überblick zu verschaffen, was wir sehen und erleben wollen und wann wir wo sein wollen.
Zunächst geht es heute zu den Moeraki Bouldern, die wir aber wegen des langen Schlafen bei Flut sehen werden- attraktiv sind sie nur bei Ebbe – und dann sehen wir weiter.
Die Küstenstrasse ist wunderschön und die der Himmel lässt immer mal wieder die Sonne durch! Der grüne Pazifik auf der einen Seite, die seichten Berge, nein Hügel, auf der anderen, von denen man einfach nur runterkullern möchte, es ist wunderschön. Und Bernd fährt…. Ich genieße!
Und wirklich, die Steine stehen noch ziemlich doll im Wasser, es ist sogar auflaufend. Wir machen ein paar Bilder, passen auf, dass wir nicht wegrutschen, es ist unglaublich glitschig – und für mich eindeutig zu kalt, um meine Schuhe auszuziehen. Die Wellen kommen näher, doch da ich auf jeden Fall die Pinguine hier sehen möchte, können wir am Abend noch einmal wiederkommen, dann bei abkaufendem Wasser.
Das Wetter ist weiterhin wechselhaft, immer mal wieder gibt es Schauer, dann kommt wieder der blaue Himmel durch. Ich weiß nicht so recht, wie wir den Tag gestalten wollen, also machen wir erst einmal einen Gang, der uns an der Küste den Berg raufführt – zum Teil so glitschig, dass ich fürchte, gleich wieder runter zu rutschen. Der Boden ist lehmig und haftet sich an den Schuhen fest. Und das bergauf, ich sehe mich schon bäuchlings wieder runtergeeilten. Aber wir kommen beide oben an und die Aussicht ist sehr schön! Oben endet der Weg dann an einem Denkmal an der Strasse. Uns ist klar, dass wir auf keinen Fall den gleichen Weg zurückgehen können, ohne sauber zu bleiben, also suchen wir nach einem weg, am liebsten durch die Häuser durch nach unten, wo unser Auto steht.

 Oben am Ende des Weges

Aber nichts zu wollen – die Strasse, die Google anzeigt, auf der wir ganz deutlich stehen, gibt es real nicht. DA hilft kein Suchen, kein noch mal gucken, kein „das kann doch nicht sein“ – wir müssen den langen Bogen in Kauf nehmen. „Die Fish and Chips“ unten haben wir uns verdient!
Die nette Frau an der Theke erklärt uns, wann und wo wir am besten die Gelbaugenpinguine sehen können – natürlich wieder bei Sonnenuntergang, aber vielleicht sind auch schon jetzt einige da, meinst sie.
Wir fahren zum Leuchtturm, und anders als vor drei Jahren gibt es jetzt nur noch einen Weg. Der direkt zu den offenen Beobachtspunkten führt und nicht einen zum Unterstand, von dem man eh nichts sah. Die Tiere sind weiträumig eingezäunt, so dass sie sich gut verstecken können und die Touristen ferngehalten werden. Dass wir zwischendurch klitschnass werden, uns die Hände von dem harten kalten Regen weh tun, tut der Begeisterung keinen Abruch! Nicht nur dicke Seelöwen sehen wir, Pinguine zeigen sich in ihrer vollen Schönheit, und wir haben unser Fernglas dabei, mit dem wir noch weitere entdecken können! Eine Silbermöwenkolonie brütet direkt neben dem Weg, eine Schar von Mantelmöwen (sehr große Möwen!) direkt daneben! Das Geschrei ist spektakulär und klasse!
Auf der Wiese liegen ein paar Robben – oder sind es Seebären? Keine Ahnung – und dösen vor sich hin. Wir sind vorsichtig, aber sie lassen sich ohne Probleme ablichten!
Total erfüllt machen wir uns wieder auf den Rückweg, fahren noch einmal zu den Steinen, die nun viel mehr von sich preisgeben. Es hat sich gelohnt – alles!


Unser angepeilter nächster Campingplatz befindet sich auf dem Weg nach Dunedin, er soll schön und kostenlos sein. ES ist allerdings klar, dass unser Benzin nicht mehr dahin reichen wird, die Anzeige steht schon sehr weit unten. Es gibt aber noch ein kleines Städtchen zwischendurch, und eine Tankstelle wird auch bei Google angezeigt – doch google weiß leider nicht, dass dort der Sprit alle war. „No more petrol“ . Kann nicht sein, da muss es doch noch eine Tankstelle geben. Nein, der Ort ist wirklich klein. Wir fragen an der Tankstelle nach, ob der Besitzer eine Idee hat – und wirklich , er weist uns zu zwei Tanksäulen in der Nebenstraße, bei denen man mit Karte tanken kann. Wir tanken nur wenig, weil wir lieber das hochwertigere Benzin sonst nehmen und das gibt es hier nicht, und fahren direkt weiter nach Dunedin. Die kostenlosen Campingplätze liegen nun hinter uns und es ist spät geworden, also mieten wir uns auf einem netten, offiziellen ein – mit heißer Dusche und netter Küche – siehe Anfang!
Inzwischen sitze ich in der Bibliothek, wir haben uns nach demonetisier erwähnten Kaffee ein wenig in der Stadt umgesehen und machen hier nun die nächste Pause. Chillen ist angesagt! Weiter gehts als morgen!
Habt einen schönen Nikolaustag!

04.12.2018

Wir verleben noch einen netten gemeinsamen Abend. Langsam kommen meine Englischkenntisse wieder und ich traue mich mehr zu sprechen. Es ist ein interessanter und lustiger Austausch mit ihnen.
Nun kommt also unsere vorerst letzteNacht im echten Bett – und ich freue mich auf unsere Fahrt in unserem Campervan!

Die Sonne will auch heute nicht scheinen – aber es stört mich nicht. Ich freue mich auf die nächsten Wochen, wenngleich ich es auch sehr schade finde, dass wir Bob und Iarene verlassen. Ich hoffe so, dass ich sie eines Tages wiedersehe, es ist eine richtige Freundschaft entstanden!

Auf dem Frühstückstisch liegt ein Brief von Bob, der bereits arbeiten ist. Trotzdem er mit seinen 70 Jahren bereits in Rente ist, arbeitet er weiterhin. Es macht ihm einfach Spaß, und er kann als Selbständiger für seine Firma selbst entscheiden, wie viel er arbeitet.
Ihm ist in der Nacht eingefallen, dass die Farbe des Öls im Wagen zu dunkel war und riet uns, es zu wechseln. Eine Adresse hat er gleich mit aufgeschrieben. So sitze ich nun in einer Öl-Wechsel-Werkstatt und nutze die Zeit zum Schreiben.


Mit einem guten Gefühl machen wir uns auf den Weg, wir haben uns für die südliche Route entschieden. Die erste Strecke ist langweilig, und bei macht sich der erste Reisefrust breit. Ich fühle mich verantwortlich, dass es eine tolle Reise wird, dass die Sonne scheint, wenn es wichtig ist, wie z.B, am Mount Cook, um den klaren Sternenhimmel zu sehen, dass ihm alles gefällt. Genau das, was ich auf meiner Fahrt alleine nicht hatte, und mich dadurch so frei fühlte. So richtig klar wird mir das aber erst, als Bernd mich fragt, ob alles in Ordnung ist. Da purzelt es alles aus mir raus und schon bin ich wieder zuversichtlicher, eben typisch Silke.
Mein Wunsch ist es noch ein wenig an der Küste zu bleiben, Wasser tut mir immer gut. Und da die erste Euphorie verschwunden ist, muss ich mich erst mal Urlaub gewöhnen – ebenfalls typisch Silke, die auch niemals damit rechnet…
In Timaru unternehmen wir einen schönen Strandspaziergang, die Bewegung ist wunderbar.

Da die Zeit vorangeschritten ist, überlegen wir, wo wir nun am besten unsere Schlafstätte einrichten. Geduscht haben wir am Morgen, also spricht nichts gegen einen kostenlosen Platz. Der erste, den wir ansteuern, ist ein normaler Parkplatz, auf dem man auch übernachten darf. Der Blick aufs Meer ist zwar schön, aber nein, es gefällt uns nicht.
Ca. 20 km südlich soll ein weiterer sein, über den in einer Bewertung allerdings zu lesen ist, dass er nicht erreichbar sein soll – die Brücken dahin seinen defekt. Oh nein, darauf vertrauen wir doch nicht, auch nicht den Schildern auf dem weg in die Pampa, die das gleiche aussagen. Das kann doch nicht sein, die Bewertung ist fast zwei Wochen alt, da wird sich doch was getan haben und die Schilder haben sie nur vergessen, wegzunehmen. Und wirklich, es gibt keine defekte Brücke – es gibt gar keine! Keine Chance, über den Fluss zu kommen – und auf der anderen Seite wäre der Campingplatz. Na gut, wir geben nicht auf.

Es führen zwei weitere Wirtschaftswege angeblich dahin, der erste ebenfalls über eine Brücke, den lassen wir lieber gleich aus, mit dem zweiten haben wir Erfolg! Hurra, ein netter kleiner Campingplatz, direkt am Paifik, kostenlos, sofern self-contained. Und laut Schild auf dem Auto sind wir das. Es gibt sogar ein “Plastik-WC”, also so ein Plumpsklo, aber ich mache lieber das, was Männer im Stehen machen, allerdings in der Hocke…
Wir sind allein auf dem Platz, erst später kommt ein weiteres Wohnmobil hinzu. Da liegen wir allerdings schon im Bett.
Bei Ankunft auf dem Platz gehen wir zunächst zum tosenden Meer – die Kraft des Wassers ist immer wieder atemberaubend! Die Wellen schlagen ans Ufer und reissen enorme Mengen an Steinen mit sich. Im Übrigens ist es eh ein reiner Steine-Strand, alle wunderschön rundgeschliffen und ziemlich groß.

Ein aufgetürmter Steinewall trennt das Wasser vom Ufer und bildet einen See, aus dem Wasser mit enormer Kraft ins Meer strömt und den Wall immer weiter abbaut. Ich versuche nachher mal, ein kleines Video hier hinein zu stellen. Ob bei Flut immer wieder Steine draufgelagert werden? Keine Ahnung, ein Kreislauf muss es sein – morgens ist der Wall jedenfalls immer noch da.

Unser erstes Freiluft-Abendessen besteht aus den obligatorischen Nudeln (allerdings Vollkorn) und Olivenöl und kleinen Tomaten und Knoblauch! I love it! Immer wieder!

Der Sommer läuft sich schlecht an, so sagen es auch die Neuseeländer, und es ist kalt und grau. Wir freuen uns also über unseren Bus, bedauern ein wenig, dass wir durch den unteren Stauraum nicht auf der Matratze sitzen können – man kann nicht alles haben – und widme uns Buch und iPad. Schreiben auf dem Bauch ist allerdings anstrengend und so schreibe ich vorwiegend heute morgen hier im Café. Um halb zehn sind sind wir beide müde, schlafen sofort ein – und wachen dementsprechend ausgeschlafen um halb sechs auf….

Es ist total nebelig, und ein echtes Camping-feeling, als wir den Bus verlassen. An unserem Mini-Waschbecken (erinnert mich an das Spülbecken auf dem Zahnarzt-Stuhl) machen wir uns frisch, gucken noch einmal ans Meer und Beben uns auf den weiteren Weg.
Die Fahrt dauert nur kurz an – da stehen wir an einem Rinder-Übergang. Zehn Minuten, zwanzig, eine halbe Stunde…

Es tut sich nahezu nicht, ab und an läuft eine Kuh mal weiter und nimmt eventuell ein/zwei Artgenossen mit, dann war es das wieder und die Herde starrt auf unser wartendes Auto. Sie starren und starren. Irgendwann komme ich auf die Idee, zumindest das Objekt der Neugierde zu entfernen und wir setzen rückwärts, bis das Interesse jedenfalls verloren geht. Das war schon mal der erste richtige Schritt, die Horde bewegt sich langsam weiter. Das Ende ist übrigens nicht zu sehen, es versinkt im Neben… und dann….
Selten hört man so gerne ein Motorengeräusch! Nach ca. Einer Stunde kommt ein Mann auf einem Krad daher gefahren und treibt die Horde an. Nun dauert es nur noch kurz an und wir können weiter.

Auf direktem Wege begeben wir uns nach nach Oamaru, das Städtchen, in dem abends die Pinguine zu sehen sind. Ich hatte nicht mehr in Erinnerung, wie lange sind die Wohngegenden hinziehen, bis wir endlich in Innenstadt erreichen, die mich selbst bei dem grauen Wetter wieder beeindruckt. In diesem Café habe ich auch vor drei Jahren geschrieben und Unmengen Wasser getrunken. Zwar nicht so früh wie heute, aber immerhin.

 

03.12.2018

Dieser Tag wir nun ganz unserem Auto gewidmet, und dabei so richtig urlaubsmäßig stressfrei.

Am Vormittag wollen wir alles einräumen und dann die ersten notwendigen Lebensmittel einkaufen, damit wir morgen dann aufbrechen können. Nun stellt sich dabei allerdings heraus, dass es recht schwierig ist, an den Stauraum zukommen, denn die Kisten mit den klamotten oder den Lebensmitteln, die dan unter dem Bett stehen sind ein wenig höher als der Rahmen. Daher muss man immer die Matratze ein wenig anheben, um dann die eine Platte hochnehmen zu können und damit Zugang zum Stauraum zu haben.

Bernd überlegt, das Brett zu teilen, so dass man es einfach klappen kann. Gesagt, getan! Bob, selbst Ingenieur, tätig im Flugzeugbau, hat eine komplett eingerichtete Werkstatt in seiner Garage – und vor allem den größten Spass daran, gemeinsam mit Bernd dasAuto umzubauen. Schnell haben beide alles  ausgemessen, gesägt und mit den perfekten Scharnieren versehen. Bernd schnitt die Matratze noch in der Mitte durch und schon ist alles leicht handlebar.

 

02.12.18

In der Nacht machte sich nun der Jetlag bemerkbar – Bernd und ich wachen um 2:00 auf und sind ausgeschlafen. Wir schnacken eine Weile, und da wir alleine um Haus sind, stören wir ja auch niemanden. Wir zwingen uns dann aber auch noch einmal wieder einzuschlafen,sonst ist der nächste Tag ja völlig dahin. Bei der Überlegung am Frühstückstisch, wie wir unseren Gastgebern eine Freude machen können, entscheiden wir, am Abend für alle zu kochen.
Das Einkaufszentrum ist zwar schon geöffnet, aber die meisten Läden noch geschlossen, als wir um 8:30 dort angkommen. Die Zeit bis 9:00, dann beginnt dort das Einkaufs- Leben, und brauchten noch SIM-Karten-Schablonen für ein anderes Smartphone, in dem nun unsere heimatlichen liegen,  überbrücken wir mit dem Lebensmitteleinkauf, der Supermarkt macht früher auf. Anschließend gibt es einen leckeren Kaffee.

Mittags treffen wir uns dann mit den beiden Niederländern zur Auto-Übergabe. Sie haben wirklich alles toll vorbereitet, das Auto, insbesondere das Innenleben, ist sauber, die Bettwäsche gewaschen und das, was noch repariert werden musste, heil. Ich fülle im Postamt ein kleines Formular aus, zahle umgerechnet 6 € und schon hat der Wagen den Besitzer gewechselt. In der angrenzenden Bibliothek nehmen wie an einem Computer die Überweisung vor und trinken noch einen gemeinsamen Kaffee. Auch wenn ich glücklich bin, dass wir deren Auto kaufen können, hätte ich gerne noch mehr Zeit mit ihnen verbracht. Sie sind einfach sympathisch und interessant. Ich kann mit gut vorstellen, dass wir uns wieder treffen, wenn sie wieder in Holland sind, und das wird im nächsten Sommer sein. Ihr Plan ist, im Südwesten ihrer Heimat ein Hostel zu eröffnen. Doch nun trennen sich unsere Wege.

Als wir in der Wohnung ankommen, sind Iarene und Bob bereits da. Sie freuen sich mit uns über uns neues Gefährt und noch mehr darüber, dass wir kochen wollen und sie sich um nichts kümmern müssen.
Bernd und ich bereiten bald alles vor und haben zu fünft – die Nachbarin, die ich beim letzten Mal auch kennengelernt habe, ist auch dabei – einen netten, sehr weihnachtlichen Abend. Es ist schon komisch, überall diese viele Weihnachtsdekoration zu sehen – und draußen sind es um die 20 Grad… zwar heute nicht sonnig, aber trotzdem frühlingshaft…

01.12.2018

Ich schlafe nahezu wie eine Tote in dieser Nacht und bin die erste Stunde nach dem Aufstehen auch ausgeschlafen. Danach hätte ich mich gleich wieder hinlegen können – aber wir wollen auf Autosuche gehen. Bernd meint – zu Recht- dass ich ja nun mehr Erfahrung mit dem Linksverkehr habe und so setze ich mich ans Steuer. DieMüdigkeit ist verflogen bei so viel Konzentration, auf der richtigen Seite zu bleiben und nicht immer Angst zu haben, dass einem gleich ein Auto entgegenkommt. Bobs Wagen piept in einer Tour, wir wissen nicht warum. Schon beim Zünden piept es, als befänden wir uns im Raumschiff enterprise – ich werde morgen abend mir genau erklären lassen, was das Auto mir sagen wollte.
Zunächst kaufen wir uns in einem großen Einkaufszentrum neue SIM-Karten, damit wir regelmäßig mobile Daten haben. Ich hatte schon beschlossen, mit dem gleichen Anbieter wie beim letzten Mal zu bleiben und so war das ganze schnell gemacht. Während eines ausgiebigen Kaffees nahm ich Kontakt mit mehreren Auto-Anbietern aus einer dafür gegründeten Facebook-Gruppe auf und verabredete mehrere Termine.
Schon der erste überzeugte uns – insbesondere weil er von einem Holländischen Paar verkauft wurde, die ersten sehr sympathisch und zweitens vertrauenserweckend aussahen. Außerdem mögen wir Holländer!
Der Wagen ist voll ausgestattet – die beiden fliegen weiter nach Thailand und können dementsprechend nicht viel mitnehmen. Decken, Kissen, Kochplatten – ach, Ihr werdet Bilder bekommen!

und nun sind sie fertig:


Heute Mittag treffen wit uns, um die Übernahme zu machen – einen gemeinsamen Gang zur Post und ein oder zwei Formulare ausfüllen. Das wars.
Anschließend guckten wir uns ein wenig in der Innenstadt von Christchurch um – es hat sich so viel getan in den drei Jahren. Eine neue Innenstadt ist entstanden, die Container sind verschwunden. Die Kathedrale ist nach wie vor unangetastet – es ist immer noch keine Entscheidung gefallen, sie abzureissen oder wieder aufzubauen. Neben ihr ist eine wunderschöne Bibliothek entstanden, vier Stockwerke hoch. Oben hat man die Möglichkeit, auf eine Art Terrasse zu gehen und hat einen wunderschönen Blick auf die Kathedrale – bzw. was noch übrig ist.


Anschließend fahren wir nur noch ins Haus, machen uns etwas zu essen und einen kurzen ruhigen Abend… wir sind todmüde!

 

30.11.2018

We arrived in Christchurch

In Melbourne warteten wir auf unseren Flug, als wir plötzlich in einer Durchsage unseren Namen vermuteten. Da er englisch ausgesprochen wurde und wir den ganzen Kontext nicht verstanden, abgesehen davon, es auch nicht glauben zu können, gingen wir sehr zweifelnd zum Schalter und erfuhren, dass wir noch nicht richtig eingecheckt waren. Die Boardkarten hatten wir aber schon in Hamburg bekommen. Egal, die Leute waren super freundlich und schon bald darauf waren wir an der wesentlich kleineren Maschine (die anderen beidenMaschinen waren A-380 er, richtig groß auf zwei Stockwerken). Meine Nerven waren nach der ganzen Fliegerei sowieso auf einem recht niedrigen Level und als der Steward mir dann noch antwortete, dass wir größere Turbulenzen zu erwarten hätten, war ich kurz davor, wieder auszusteigen. Was nützt mir das Wissen, dass es völlig sicher ist und nie ein Flugzeug durch Turbulenzen vom Himmel gekommen ist, wenn ich trotzdem drei Stunden Panik habe. Ich griff auf das einfachere Mittel zurück – und nahm eine “Scheiß-egal”-Pille, eine Valium. Nun fühlte ich mic him wahrsten Sinne todesmutig- und es kamen nur kleine Turbulenzen. Trotzdem war ich froh, sie genommen zu haben, ich konnte richtig entspannen und war bei der Ankunft gar nicht so ko.

Achtung, hier wird’s persönlich…
Diejenigen, die mich nicht so gut kennen und den letzten Blog nicht verfolgt haben, wundern sich wahrscheinlich, welche große Rolle das Fliegen spielt und wie viele Worte ich darum mache.
Ängste und Paniken spielten schon in meinem ganzen Leben eine große Rolle – alles darüber hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen und hätte damals in der Schule ein “Thema verfehlt” erhalten. Es geht schließlich um Neuseeland. Aber in meinem Leben geht es eben auch immer um meine persönliche Weiterentwicklung und dazu gehören meine Paniken.
Vor meiner letzen Neuseeland-Reise hatte ich eine Hypnose gegen die Flugangst gemacht. Es war mir schon lange klar, dass ich als Kind Dinge erlebt habe, die ich nicht  verarbeiten konnte – übersensibel wie ich bin. Dazu gehören Nierenbeckenentzündungen mit sehr hohem Fieber, mehrere Krankenhausaufenthalte, bei denen meine Mutter nicht dabei sein durfte, jedenfalls nicht so viel, wie ich sie brauchte (also immer), Untersuchungen, die schmerzhaft und zum Teil schamhaft waren – einfach viele Momente, in denen ich mich ausgeliefert und ohnmächtig gefühlt habe. Meine Eltern kamen so oft es ihnen möglich war, und sie machten wirklich viel möglich! Auch wenn zuhause noch meine Geschwister versorgt werden mussten, besuchte einer mich täglich kurz, meist meine Mutter, obwohl es verboten war – Besuchszeiten waren zwei mal eine Stunde in der Woche. Für die Schwestern und Putzfrauen gab es immer wieder selbst gebackenen Kuchen und Kaffee, damit die Tochter jedenfalls ein paar Minuten besucht werden konnte! Trotzdem reichte diese Zeit natürlich nicht, ich wollte nach Hause, wollte da nicht sein, hatte Heimweh und so viel Angst vor allem was auf mich zukam. Und das war viel – Blutentnahmen, Katheter-Wechsel, Röntgen, Fäden-ziehen (für mich fast so schlimm wie die OP, in der Vorstellung jedenfalls vorher…).
Ausgeliefert zu sein – das scheint der ausschlaggebende Grund für die Angst vor dem Fliegen zu sein. Ich kann nicht einfach gehen, wenn ich Angst habe, wenn mir etwas komisch vorkommt. Mein Kopf weiß natürlich, dass die Idee da oben in 12000km Höhe auszusteigen auch nicht wirklich gut wäre, aber der erreicht meinen Bauch, mein Unterbewusstsein, nicht. Im Flieger wurde mir das noch mal richtig bewusst – ich sah das kleine Mädchen, das ich damals war, wieder im Krankenhausbett, nüchtern und darauf wartend, zur OP abgeholt zu werden. Dann kam eine (bestimmt nette) Schwester, die mir eine Beruhigungsspritze gab, die so gar nicht half und mich kurze Zeit später dann mit dem Bett zum OP-Saal schob. Ich erinnere einfach zu gut, wie ich am liebsten rausgesprungen wäre, welche unglaublichen Ängste ich hatte- doch ich konnte nicht weg. Im OP wurde ich dann auf den OP-Tisch gelegt und an den Armen angeschnallt. Nun war ich auch noch festgebunden- ich glaube, jeder kann sich vorstellen, dass das Narben hinterläßt. Nur scheint das Wissen darüber nicht auszureichen, das erreicht das Unterbewusstsein nicht. Zum Glück habe ich in der Nähe von Worpswede eine Therapeutin, mit der ich auch schon einmal EMDR gemacht habe, eine Form, direkter ans “Weggepackte” zu kommen, und das werde ich auch weitermachen. Das eine Mal war zwar hilfreich, aber offenbar noch nicht genug.
So, das war der Ausflug in die Kindheit.

Wir landen also wohlbehalten in Christchurch. Am Flugplatz muss jeder genau angeben, was er/sie an Outdoorsachen mithat und natürlich kommen wir in die Spur derjenigen, die ihre Sachen vorzeigen müssen. Ein Zelt kann immerhin diverse Sporen etc. an sich haben, die Neuseeland nicht haben möchte!
Ein älterer Mann, bei dem wir an der Reihe sind, fragt nur, wo das Zelt zuletzt benutzt wurde, und bei meiner Antwort “here in New Zealand three years ago” freut er sich und schickt uns zum Ausgang.
Dort werden wir bereits erwartet: bei meiner letzten Reise hier lernte ich ein sehr nettes Ehepaar kennen, die mich einluden, sie in Christchurch zu besuchen, sobald ich in der Stadt sei auf meinem Rückweg. Kennen lernte ich sie in Te Anau. Das tat ich auch und war fasziniert von der Gastfreundschaft. “Fühl dich wie zuhause “ war keine Floskel, sondern ein Befehl. Beim Abschied damals hoffte ich schon, mit Bernd eines Tages herfahren zu können und es war klar, dass wir uns dann Wiedersehen würden.
Als ich ihr dann mitteilte, dass wir kämen, fragte sie sofort, wann wir landen würden, sie würde uns abholen.
Und da steht sie nun, glücklich uns zu empfangen und bringt uns zu sich. Es ist ein bisschen wie “nach Hause” kommen, so selbstverständlich weist sie Bernd ein! Zeigt ihm, wo er was findet. Und auch fühlt sich hier frei und wohl. Mit ihrem Mann essen wir gemeinsam am abend, unterhalten uns angeregt, wobei mir viele Worte nicht einfallen. Mein Gehirn fühlt sich an wie Kaugummi, ich bin einfach müde, welch Wunder… und um acht liegen wir glücklich in unserem Bett.
Es war schon vorher klar, dass Iarene und Bob am nächsten Morgen für zwei Tage wegfahren würden und wir allein im Haus sein würden. Aber dass sie uns auch noch das Auto überlassen, so ganz selbstverständlich, ist schon der Wahnsinn!

So, morgen schreibe ich über heute – denn ein Auto haben wir bereits heute erstanden. Nur – ich bin müde und gehe nun in die Wagerechte…