04.12.2018

Wir verleben noch einen netten gemeinsamen Abend. Langsam kommen meine Englischkenntisse wieder und ich traue mich mehr zu sprechen. Es ist ein interessanter und lustiger Austausch mit ihnen.
Nun kommt also unsere vorerst letzteNacht im echten Bett – und ich freue mich auf unsere Fahrt in unserem Campervan!

Die Sonne will auch heute nicht scheinen – aber es stört mich nicht. Ich freue mich auf die nächsten Wochen, wenngleich ich es auch sehr schade finde, dass wir Bob und Iarene verlassen. Ich hoffe so, dass ich sie eines Tages wiedersehe, es ist eine richtige Freundschaft entstanden!

Auf dem Frühstückstisch liegt ein Brief von Bob, der bereits arbeiten ist. Trotzdem er mit seinen 70 Jahren bereits in Rente ist, arbeitet er weiterhin. Es macht ihm einfach Spaß, und er kann als Selbständiger für seine Firma selbst entscheiden, wie viel er arbeitet.
Ihm ist in der Nacht eingefallen, dass die Farbe des Öls im Wagen zu dunkel war und riet uns, es zu wechseln. Eine Adresse hat er gleich mit aufgeschrieben. So sitze ich nun in einer Öl-Wechsel-Werkstatt und nutze die Zeit zum Schreiben.


Mit einem guten Gefühl machen wir uns auf den Weg, wir haben uns für die südliche Route entschieden. Die erste Strecke ist langweilig, und bei macht sich der erste Reisefrust breit. Ich fühle mich verantwortlich, dass es eine tolle Reise wird, dass die Sonne scheint, wenn es wichtig ist, wie z.B, am Mount Cook, um den klaren Sternenhimmel zu sehen, dass ihm alles gefällt. Genau das, was ich auf meiner Fahrt alleine nicht hatte, und mich dadurch so frei fühlte. So richtig klar wird mir das aber erst, als Bernd mich fragt, ob alles in Ordnung ist. Da purzelt es alles aus mir raus und schon bin ich wieder zuversichtlicher, eben typisch Silke.
Mein Wunsch ist es noch ein wenig an der Küste zu bleiben, Wasser tut mir immer gut. Und da die erste Euphorie verschwunden ist, muss ich mich erst mal Urlaub gewöhnen – ebenfalls typisch Silke, die auch niemals damit rechnet…
In Timaru unternehmen wir einen schönen Strandspaziergang, die Bewegung ist wunderbar.

Da die Zeit vorangeschritten ist, überlegen wir, wo wir nun am besten unsere Schlafstätte einrichten. Geduscht haben wir am Morgen, also spricht nichts gegen einen kostenlosen Platz. Der erste, den wir ansteuern, ist ein normaler Parkplatz, auf dem man auch übernachten darf. Der Blick aufs Meer ist zwar schön, aber nein, es gefällt uns nicht.
Ca. 20 km südlich soll ein weiterer sein, über den in einer Bewertung allerdings zu lesen ist, dass er nicht erreichbar sein soll – die Brücken dahin seinen defekt. Oh nein, darauf vertrauen wir doch nicht, auch nicht den Schildern auf dem weg in die Pampa, die das gleiche aussagen. Das kann doch nicht sein, die Bewertung ist fast zwei Wochen alt, da wird sich doch was getan haben und die Schilder haben sie nur vergessen, wegzunehmen. Und wirklich, es gibt keine defekte Brücke – es gibt gar keine! Keine Chance, über den Fluss zu kommen – und auf der anderen Seite wäre der Campingplatz. Na gut, wir geben nicht auf.

Es führen zwei weitere Wirtschaftswege angeblich dahin, der erste ebenfalls über eine Brücke, den lassen wir lieber gleich aus, mit dem zweiten haben wir Erfolg! Hurra, ein netter kleiner Campingplatz, direkt am Paifik, kostenlos, sofern self-contained. Und laut Schild auf dem Auto sind wir das. Es gibt sogar ein “Plastik-WC”, also so ein Plumpsklo, aber ich mache lieber das, was Männer im Stehen machen, allerdings in der Hocke…
Wir sind allein auf dem Platz, erst später kommt ein weiteres Wohnmobil hinzu. Da liegen wir allerdings schon im Bett.
Bei Ankunft auf dem Platz gehen wir zunächst zum tosenden Meer – die Kraft des Wassers ist immer wieder atemberaubend! Die Wellen schlagen ans Ufer und reissen enorme Mengen an Steinen mit sich. Im Übrigens ist es eh ein reiner Steine-Strand, alle wunderschön rundgeschliffen und ziemlich groß.

Ein aufgetürmter Steinewall trennt das Wasser vom Ufer und bildet einen See, aus dem Wasser mit enormer Kraft ins Meer strömt und den Wall immer weiter abbaut. Ich versuche nachher mal, ein kleines Video hier hinein zu stellen. Ob bei Flut immer wieder Steine draufgelagert werden? Keine Ahnung, ein Kreislauf muss es sein – morgens ist der Wall jedenfalls immer noch da.

Unser erstes Freiluft-Abendessen besteht aus den obligatorischen Nudeln (allerdings Vollkorn) und Olivenöl und kleinen Tomaten und Knoblauch! I love it! Immer wieder!

Der Sommer läuft sich schlecht an, so sagen es auch die Neuseeländer, und es ist kalt und grau. Wir freuen uns also über unseren Bus, bedauern ein wenig, dass wir durch den unteren Stauraum nicht auf der Matratze sitzen können – man kann nicht alles haben – und widme uns Buch und iPad. Schreiben auf dem Bauch ist allerdings anstrengend und so schreibe ich vorwiegend heute morgen hier im Café. Um halb zehn sind sind wir beide müde, schlafen sofort ein – und wachen dementsprechend ausgeschlafen um halb sechs auf….

Es ist total nebelig, und ein echtes Camping-feeling, als wir den Bus verlassen. An unserem Mini-Waschbecken (erinnert mich an das Spülbecken auf dem Zahnarzt-Stuhl) machen wir uns frisch, gucken noch einmal ans Meer und Beben uns auf den weiteren Weg.
Die Fahrt dauert nur kurz an – da stehen wir an einem Rinder-Übergang. Zehn Minuten, zwanzig, eine halbe Stunde…

Es tut sich nahezu nicht, ab und an läuft eine Kuh mal weiter und nimmt eventuell ein/zwei Artgenossen mit, dann war es das wieder und die Herde starrt auf unser wartendes Auto. Sie starren und starren. Irgendwann komme ich auf die Idee, zumindest das Objekt der Neugierde zu entfernen und wir setzen rückwärts, bis das Interesse jedenfalls verloren geht. Das war schon mal der erste richtige Schritt, die Horde bewegt sich langsam weiter. Das Ende ist übrigens nicht zu sehen, es versinkt im Neben… und dann….
Selten hört man so gerne ein Motorengeräusch! Nach ca. Einer Stunde kommt ein Mann auf einem Krad daher gefahren und treibt die Horde an. Nun dauert es nur noch kurz an und wir können weiter.

Auf direktem Wege begeben wir uns nach nach Oamaru, das Städtchen, in dem abends die Pinguine zu sehen sind. Ich hatte nicht mehr in Erinnerung, wie lange sind die Wohngegenden hinziehen, bis wir endlich in Innenstadt erreichen, die mich selbst bei dem grauen Wetter wieder beeindruckt. In diesem Café habe ich auch vor drei Jahren geschrieben und Unmengen Wasser getrunken. Zwar nicht so früh wie heute, aber immerhin.

 

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