30.11.2018

We arrived in Christchurch

In Melbourne warteten wir auf unseren Flug, als wir plötzlich in einer Durchsage unseren Namen vermuteten. Da er englisch ausgesprochen wurde und wir den ganzen Kontext nicht verstanden, abgesehen davon, es auch nicht glauben zu können, gingen wir sehr zweifelnd zum Schalter und erfuhren, dass wir noch nicht richtig eingecheckt waren. Die Boardkarten hatten wir aber schon in Hamburg bekommen. Egal, die Leute waren super freundlich und schon bald darauf waren wir an der wesentlich kleineren Maschine (die anderen beidenMaschinen waren A-380 er, richtig groß auf zwei Stockwerken). Meine Nerven waren nach der ganzen Fliegerei sowieso auf einem recht niedrigen Level und als der Steward mir dann noch antwortete, dass wir größere Turbulenzen zu erwarten hätten, war ich kurz davor, wieder auszusteigen. Was nützt mir das Wissen, dass es völlig sicher ist und nie ein Flugzeug durch Turbulenzen vom Himmel gekommen ist, wenn ich trotzdem drei Stunden Panik habe. Ich griff auf das einfachere Mittel zurück – und nahm eine “Scheiß-egal”-Pille, eine Valium. Nun fühlte ich mic him wahrsten Sinne todesmutig- und es kamen nur kleine Turbulenzen. Trotzdem war ich froh, sie genommen zu haben, ich konnte richtig entspannen und war bei der Ankunft gar nicht so ko.

Achtung, hier wird’s persönlich…
Diejenigen, die mich nicht so gut kennen und den letzten Blog nicht verfolgt haben, wundern sich wahrscheinlich, welche große Rolle das Fliegen spielt und wie viele Worte ich darum mache.
Ängste und Paniken spielten schon in meinem ganzen Leben eine große Rolle – alles darüber hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen und hätte damals in der Schule ein “Thema verfehlt” erhalten. Es geht schließlich um Neuseeland. Aber in meinem Leben geht es eben auch immer um meine persönliche Weiterentwicklung und dazu gehören meine Paniken.
Vor meiner letzen Neuseeland-Reise hatte ich eine Hypnose gegen die Flugangst gemacht. Es war mir schon lange klar, dass ich als Kind Dinge erlebt habe, die ich nicht  verarbeiten konnte – übersensibel wie ich bin. Dazu gehören Nierenbeckenentzündungen mit sehr hohem Fieber, mehrere Krankenhausaufenthalte, bei denen meine Mutter nicht dabei sein durfte, jedenfalls nicht so viel, wie ich sie brauchte (also immer), Untersuchungen, die schmerzhaft und zum Teil schamhaft waren – einfach viele Momente, in denen ich mich ausgeliefert und ohnmächtig gefühlt habe. Meine Eltern kamen so oft es ihnen möglich war, und sie machten wirklich viel möglich! Auch wenn zuhause noch meine Geschwister versorgt werden mussten, besuchte einer mich täglich kurz, meist meine Mutter, obwohl es verboten war – Besuchszeiten waren zwei mal eine Stunde in der Woche. Für die Schwestern und Putzfrauen gab es immer wieder selbst gebackenen Kuchen und Kaffee, damit die Tochter jedenfalls ein paar Minuten besucht werden konnte! Trotzdem reichte diese Zeit natürlich nicht, ich wollte nach Hause, wollte da nicht sein, hatte Heimweh und so viel Angst vor allem was auf mich zukam. Und das war viel – Blutentnahmen, Katheter-Wechsel, Röntgen, Fäden-ziehen (für mich fast so schlimm wie die OP, in der Vorstellung jedenfalls vorher…).
Ausgeliefert zu sein – das scheint der ausschlaggebende Grund für die Angst vor dem Fliegen zu sein. Ich kann nicht einfach gehen, wenn ich Angst habe, wenn mir etwas komisch vorkommt. Mein Kopf weiß natürlich, dass die Idee da oben in 12000km Höhe auszusteigen auch nicht wirklich gut wäre, aber der erreicht meinen Bauch, mein Unterbewusstsein, nicht. Im Flieger wurde mir das noch mal richtig bewusst – ich sah das kleine Mädchen, das ich damals war, wieder im Krankenhausbett, nüchtern und darauf wartend, zur OP abgeholt zu werden. Dann kam eine (bestimmt nette) Schwester, die mir eine Beruhigungsspritze gab, die so gar nicht half und mich kurze Zeit später dann mit dem Bett zum OP-Saal schob. Ich erinnere einfach zu gut, wie ich am liebsten rausgesprungen wäre, welche unglaublichen Ängste ich hatte- doch ich konnte nicht weg. Im OP wurde ich dann auf den OP-Tisch gelegt und an den Armen angeschnallt. Nun war ich auch noch festgebunden- ich glaube, jeder kann sich vorstellen, dass das Narben hinterläßt. Nur scheint das Wissen darüber nicht auszureichen, das erreicht das Unterbewusstsein nicht. Zum Glück habe ich in der Nähe von Worpswede eine Therapeutin, mit der ich auch schon einmal EMDR gemacht habe, eine Form, direkter ans “Weggepackte” zu kommen, und das werde ich auch weitermachen. Das eine Mal war zwar hilfreich, aber offenbar noch nicht genug.
So, das war der Ausflug in die Kindheit.

Wir landen also wohlbehalten in Christchurch. Am Flugplatz muss jeder genau angeben, was er/sie an Outdoorsachen mithat und natürlich kommen wir in die Spur derjenigen, die ihre Sachen vorzeigen müssen. Ein Zelt kann immerhin diverse Sporen etc. an sich haben, die Neuseeland nicht haben möchte!
Ein älterer Mann, bei dem wir an der Reihe sind, fragt nur, wo das Zelt zuletzt benutzt wurde, und bei meiner Antwort “here in New Zealand three years ago” freut er sich und schickt uns zum Ausgang.
Dort werden wir bereits erwartet: bei meiner letzten Reise hier lernte ich ein sehr nettes Ehepaar kennen, die mich einluden, sie in Christchurch zu besuchen, sobald ich in der Stadt sei auf meinem Rückweg. Kennen lernte ich sie in Te Anau. Das tat ich auch und war fasziniert von der Gastfreundschaft. “Fühl dich wie zuhause “ war keine Floskel, sondern ein Befehl. Beim Abschied damals hoffte ich schon, mit Bernd eines Tages herfahren zu können und es war klar, dass wir uns dann Wiedersehen würden.
Als ich ihr dann mitteilte, dass wir kämen, fragte sie sofort, wann wir landen würden, sie würde uns abholen.
Und da steht sie nun, glücklich uns zu empfangen und bringt uns zu sich. Es ist ein bisschen wie “nach Hause” kommen, so selbstverständlich weist sie Bernd ein! Zeigt ihm, wo er was findet. Und auch fühlt sich hier frei und wohl. Mit ihrem Mann essen wir gemeinsam am abend, unterhalten uns angeregt, wobei mir viele Worte nicht einfallen. Mein Gehirn fühlt sich an wie Kaugummi, ich bin einfach müde, welch Wunder… und um acht liegen wir glücklich in unserem Bett.
Es war schon vorher klar, dass Iarene und Bob am nächsten Morgen für zwei Tage wegfahren würden und wir allein im Haus sein würden. Aber dass sie uns auch noch das Auto überlassen, so ganz selbstverständlich, ist schon der Wahnsinn!

So, morgen schreibe ich über heute – denn ein Auto haben wir bereits heute erstanden. Nur – ich bin müde und gehe nun in die Wagerechte…

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