Und nun ist es weg

Wir haben uns den Wecker auf 7:00 gestellt, ich bin aber eher wach. Punkt sieben stehen wir dann auf, duschen, frühstücken und nun geht‘s los: Auto ausräumen, Sachen in die Rucksäcke packen, sortieren, was wir nicht mehr brauchen und der Nachfolger benutzen oder verbrauchen kann, usw. . Inzwischen bekomme ich noch eine Anfrage von einem Interessenten, der sich gerne noch vor den anderen den Wagen ansehen möchte, also wollen wir schon um 10:00 in Auckland sein. Kein Problelm – um viertel nach neun haben wir alles verpackt und können los. Wir sind zuversichtlich!

Doch Nr. 1 ist gerade erst vor 2 Stunden in Auckland angekommen, aus Uruguay und etwas von unseren Ausführungen überfordert. Ich verstehe nicht so ganz, wieso er sich überhaupt schon gemeldet hat, er sollte lieber erst mal ausschlafen. Und so kann er sich auch nicht entscheiden und wir lassen es offen.
Bei den andern beiden sind wir etwas früh und warten einfach kurz, bis sie zuende gefrühstückt haben. Dann geht die Prozedur von vorne los: alles erklären, Probefahrt usw. Besonders das Mädel ist an dem Wagen interessiert, er vermisst die Lautsprecher… hm, und fahren kann er auch nicht (aber rauchen:-)). Kathi macht eine die Fahrt mit Bernd und entscheidet sich für den Wagen – wenn…. sie ist, seitdem sie in NZ ist, krank und muss nun noch die Blutergebnisse abwarten, ob sie eventuell nach Hause fahren muss. Sie wirkt auf mich nicht sooo krank, aber klar, wir versprechen, auf das Ergebnis zu warten.

Während der Probefahrt stehen der Freund und ich an der Strasse an einem Balkon, an dem ein Maori, wie wir erfahren, mit lauter (guter) Musik steht und gerade ein Gemälde herauslegt, was er wohl fertig machen möchte – es ist wunderschön! Ich spreche ihn darauf an. Und er zeigt uns auf seinem Smartphone weitere Bilder, richtig schön! Ich bin fast versucht, heute noch einmal hinzugehen, denn leider habe ich kein Foto gemacht, traute mich nicht zu fragen. Er, ein echter Hppie, erzählte von seiner Maori- Kultur und von der Bedeutung seines neuesten Bildes – und da ich mich ja in den letzten Wochen mehr damit beschäftig habe, finde ich es hochspannend. Eben weil es nicht nachgemacht ist. Dass er ein Künstler sei, streitet er ab,  nein, er habe sich alles selbst beigebracht. Trotzdem, er ist einer!

Wir suchen uns nun einen Parkplatz an einem Park – wir brauchen eine Pause! 90 min dürfen wir kostenlos parken, und nur wenig entfernt finden wir ein richtig ruhiges gemütliches Café – neben einem ganz lauten, in dem wir keinen Platz bekommen haben und darüber nun glücklich sind, denn hier sitzen wir richtig schön! Wifi gibt es auch, denn Sven möchte kurz mit uns telefonieren . Es ist perfekt, zumal dann auch noch die Scones die leckersten sind, die ich je gegessen habe!

Währenddessen bekomme ich eine Nachricht von einer Frau, die sich ebenfalls mit uns verabreden möchte.  Gut, unsere Zeit vom Parkplatz läuft eh aus, also machen wir uns auf, an ein ganz anderes Ende von Auckland. Wir haben aber ja nichts anderes vor, und so ist es für uns in Ornung.

Grace kommt aus England und ist ein süßes Mädel von 26 Jahren. Auch sie inspiziert das Auto fachmännisch, möchte das testen, wo sie an anderen Autos in früheren Zeiten  Probleme hatte. Sie macht eine Probefahrt und vertraut Bernd an, dass sie uns einfach mehr vertraut als anderen, weil wir eben auch Kinder in ihrem Alter haben – unser Vorteil, auf den ich ja sowieso baue. Sie möchte gerne einen Mechaniker-Check machen lassen – klar – und wir fahren gemeinsam – sie in der Klappe – zu einer Werkstatt, die dann den Wagen prüfen. Der Van wird geprüft, einige Dinge werden festgestellt, die aber alle nicht so wild sind, wie sie sagen. Grace könne auf jeden Fall die zwei Monate fahren. Witzigerweise monieren sie die Frontscheibe, die einen kleinen Einschlag auf einer Gravelroad mitbekommen hat und die war dem WOF egal gewesen. Grace ist glücklich – wir auch – und wir fahren zur Post, um es umzuschreiben und dann zur Bank, damit wir das Gold bekommen. Ich hatte bereits ein Zimmer gebucht und wir stellen fest, dass das genau auf dem Weg zu Grace’ Wohnung liegt.

Das Haus ist schwer zu finden, denn es ist weder Hotel noch Hostel, sondern ein unscheinbares Einfamilienhaus. Ich frage nach – und es ist richtig. Wir nehmen unsere Sachen, machen noch ein gemeinsames Foto und sehen unseren Van dann dahinfahren. Es ist schon komisch – aber ich freue mich!

Das Zimmer ist mehr als einfach – das ganze Haus ist mehr als einfach. Im Wohnzimmer steht gar nichts, es sieht aus, als wären die Leute gerade erst eingezogen. Es handelt sich um eine asiatische Familie, die Frau spricht nahezu kein Englisch, der ca. 10 jährige Sohn, der nebenbei aussieht, als wäre er einem Comic entsprungen, solche abstehenden Ohren hat er, muss übersetzen. Beide scheinen sehr unsicher zu sein, es ist schon komisch. Aber was soll‘s, das Zimmer – Bett und ein Minitisch, kein Bild, überhaupt keine Farbe, ist sauber und das Bett bequem – und wir zahlen umgerechnet 30€ die Nacht. Zu zweit! Die Küche dürfen wir mitbenutzen,  die Dusche wird auch von ihnen mitbenutzt. Ansonsten sind im Bad aber keinerlei Utensilien von ihnen, heißt keine Zahnbürsten oder sonst was, also werden sie wahrscheinlich noch irgendwo ein Klo und ein Waschbecken haben. Komisch ist, dass wir keinen Schlüssel bekommen, unser Zimmer hätte auch gar kein Schloß zum Verriegeln. Und die Terassentür steht die ganze Zeit auf, es sei also kein Problem hinein zu kommen.

Wir duschen erst einmal und legen uns ein wenig aufs Bett. Erst einmal die Beine hochlegen, das ist das Wichtigste.

Nach einer halben Stunde überwiegt dann doch der Hunger, wir haben bei googleMaps nachgesehen, wo wir etwas essen können und gehen die 10 Minuten zu den Möglichkeiten. Ein nettes Restaurant, nicht zu edel, spricht uns an. Wir können draußen sitzen, sehen bei anderen Gästen Gerichte, die uns zusagen. Wir warten und warten und warten. Irgendwann gehe ich hinein und frage, ob man drinnen ordern soll. Nein, oh, wir haben euch nicht gesehen, es kommt gleich jemand. Sofort ist eine sehr nette Bedienung da, mit Block und Stift, doch wir hätten gerne erst einmal die Karte. Sie entschuldigt sich tausend mal, fragt, ob wir schon etwas zu trinken möchten, aber wir möchten erst einmal nur Wasser. Das kommt dann auch mit der Karte, und wir gucken in Ruhe, finden die gesehenen Gerichte nur im Zusammenspiel mit Meeresfrüchten, und die mag Bernd nicht so. Wir entscheiden uns für einen Salat und einen Burger mit Gemüse, beides wollen wir teilen. Und dann – wir warten, und warten, und warten-  keiner kommt- und warten – und gehen. Dazu haben wir keine Lust. Es wäre nicht günstig gewesen, Essenspreise am Abend sind nie billig, auch wenn ich das verstehe, weil sie häufig eben an den Getränken nichts verdienen.
Wir gucken weiter und landen bei einem Chinesen. Zum Glück ist gerade ein Tisch freigeworden. Ruhige Musik, wir bekommen gleich eine Kanne grünen Tee hingestellt und bestellen uns ein Nudel- und ein Reisgericht. Getränke werden gar nicht gesondert angeboten, alle trinken Tee! Und auch wir sind super glücklich damit! Das Essen ist lecker und reichlich, und gut bezahlbar. Wir sind so zufrieden, dass wir es so gemacht haben! Als ob es so sein sollte….

Im Bett später schreibe ich noch – endlich kann ich im Bett sitzen und habe Wifi. Im Nebenzimmer, da wohnt die Familie drin, wird heftig gestritten, am lautesten ist die Frau. Da alles auf sagen wir einfach mal asiatisch ist, verstehen wir nichts, nur die Stimmlage und die Lautstärke sprechen Bände. Schön ist es nicht, aber solange sie sich die Köpfe nicht einschlagen…

Wir schlafen so gegen 23:00. Und da ist es dann auch still.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.