26.12.2008- Bernds Geburtstag

So ein schöner Tag!

Wirklich wohl gefühlt haben wir uns auf dem Campingplatz nicht. Zu familiär, abgesehen davon, dass wir vor dem Betreten die Schuhe ausziehen müssen, das finde ich nicht so schlimm, aber dadurch musste ich aussieht barfuß zum Klo, und das finde ich eklig! Also hole ich mir beim nächsten Gang ins Badezimmer die Schuhe rein und fühle mich aber so, als ob ich etwas Verbotenes mache. Egal, wir haben abends schön gesessen und dann im Stockdunkeln gut geschlafen.
Und der Morgen fängt gut an:
Es geht damit los, dass ich vergesse, dass Bernd heute Geburtstag hat! Ich habe es ihm schon gestern Abend angekündigt, weil ich es vermutete. In eher wach als er, freue mich als kurz drauf auch die Augen öffnet und wünsche ihm einen guten Morgen. Wir schnacken einen Augenblick, dann nimmt e sein Handy und hat bereits eine Glückwunschmail von Björn. Mehr durch Zufall lese ich mit… wir lachen so, als ich ihm gratuliere. Das kommt davon, wenn Weihnachten quasi ausfällt, dann habe ich den Geburtstag meines Mannes auch nicht auf Reihe – er hat doch sonst nie im Sommer Geburtstag. Bevor der Rest der Camper die kleine Küche stürmt, stehen wir auf und frühstücken ganz in Ruhe. So sind wir dann früh unterwegs. Entgegen der Vorhersagen ist es wolkenverhangen, aber so etwas ändert sich ja schnell.
Zunächst fahren wir zur Wifi-Zelle. Bernd möchte noch etwas nachsehen und nutze die Zeit, einen langen Augenblick mit Sven zu telefonieren. Und lasse ihn dann gleich mit Bernd sprechen, nachdem ich ihm von meinem Fauxpas erzählt habe.
Eigentlich wollten wir gleich weiter Richtung Arthurs Pass, aber inzwischen ist ja schon ein wenig Zeit vergangen und die Sonne ist durchgekommen – Zeit für den ersten Geburtstags-Cappuccino! Im Café gegenüber machen wir es uns gemütlich, ich habe noch genügend Empfang und kann den Blog hineinstellen, Bernd liest.
Anschließend sagen wir Hokitika Adé und fahren gen Norden. Um Ziel sind es 80 km, die wir vorwiegend fahren, weil wir sicher sind, dort Keas zu sehen. Das sind recht große, grüne Papageien, mit einer roten Unterseite, die man nur im Fliegen sieht, also die Unterseite. Und ein wenig wandern können wir da auch. Auf dem Weg singe ich ihm alle Geburtstagslieder, die ich so kenne, nicht schön, aber deftig!

Auf der Fahrt


Erst überlegen wir doch, ob die Idee so gut ist, den Abstecher zu machen- vor uns versinken die Berge in dicken Wolkenfeldern…. Genauso war es bei mir vor drei Jahren – und je näher ich kam, umso klarer würde es. Und so scheint es hier immer zu sein- je näher wir uns den Bergen nähern, desto klarer werden sie, ein kleines Stück blauer Himmel zeigt sich, es wird größer und weiter, und als wir da sind, ist es strahlender Sonnenschein! So ein Geburtstagsgeschenk! Schon als ist am Café vorbeifahren, um einen Parkplatz zu finden, sehen wir die Keas, sie sind also immer noch da! Ach, was freue ich mich! Schnell suchen wir uns einen Tisch, und nachdem Bernd schon mal am Tresen geguckt hat, was er möchte, will ich mich anstellen gehen. Ihr erinnert es? In Neuseeland ordert man den Kaffee bzw. Auch das, was man essen möchte, an der Kasse, bezahlt und bekommt dann eine Nummer, zu der das Gewünschte gebracht wird.
Die Schlange ist endlos, doch gerade vor der Kasse ist eine Lücke, da die vorher sich noch etwas aufs Tablett legen. Ich tue so, als sehe ich die Leute nicht, und -schwupp- bin ich schon an der Reihe, ordere und bin wieder bei Bernd und den Keas. Oh, was haben wir für einen Spaß mit den Tieren! Sie sind so dreist, das ist unglaublich. Mit einer Selbstverständlichkeit marschieren sie über den Tisch, und wenn du das Foto machst, klauen sie sich einen Teil von Deinem Teller. Wir haben es mehrmals bei anderen beobachtet, auf unsere Scones haben wir aufgepasst. Eine Dame meint zu mir, als ihrem Mann ein Stück vom Muffin geklaut wurde, dass überall steht, man dürfe sie nicht füttern, weil sie sich lieber selbst bedienen. „Help yourself“ ist die Devise…. Ich habe irre viele Bilder gemacht, werde gut sortieren müssen. Einem älteren Ehepaar klaut ein Kea einen komplette Fleischrolle – frisch auf den Tisch gestellt, sie wollten sich gerade entspannt hinsetzen. Da ist Kea aber schneller und verzieht sich mi seiner Beute unter das erste parkende Auto! Der Geschädigte hatte eh noch einen Pie vor sich liegen und sah nicht so aus, als ob er verhungern würde, höflich ausgedrückt…

Nach diesem Highlight begeben wir uns zur Touristen-Information um einen mittelschweren Wanderweg zu erfragen. Wir entscheiden uns für den Wasserfall, den ich auch besucht hatte. Der Weg dorthin führt recht steil bergauf, viele, viele Treppenstufen, und ich bin ziemlich ko, aber glücklich, als ich oben bin! Auch hier läuft die Kamera heiß und dann geht es wieder zurück. Irgendwie tut es mir gut, als ich bei den mit Entgegenkommenden sehe, dass sie auch aus der Puste sind. Ich denke ja schnell, dass ich die Untrainierteste auf der ganzen Welt bin. Nein, zu Übertreibungen neige ich nicht , wieso?


Wir könnten hier eine Nacht verbringen, aber es zieht uns wieder an die Küste zurück. So halten wir noch einmal unterwegs, um ein recht verrücktes Hotel/Café anzusehen, das mir ebenfalls bekannt war. Damals hat mich ein älterer Mann hineingerufen, als er mich sah, und mir zwei Rehkitze gezeigt, die er mit der Flasche aufzog. Das Café war da geschlossen und ein Hotel war es auch noch nicht. Ein Wirrwarr an Sammlungen sind überall ausgestellt, etwas urig, aber nicht gemütlich genug, um zu bleiben. Einmal gucken, dann weiter. Nach den Kitzen mag ich nicht fragen, ich konnte ihn letztes Mal schon nicht verstehen, wieso sollte das heute anders sein?


Am späteren Nachmittag sind wir wieder an der Küste und machen ein Geburtstagspicknick am Auto. Danach geht es dann zum Wasser. Eine Familie, die, während wir essen, den Strand verlässt, hat dort ein Feuer gemacht, das sie zwar gelöscht hat, das ich aber mithilfe des Windes schnell wieder entzünden kann. Ich erkläre es zum „Geburtstagsfeuer“ statt Kerze- und wir wärmen und schön. Ich suche immer wieder trockene Stöckchen zum Anheizen. Bevor wir weiter ans Meer gehen, bedecken wir aber alles mit Sand, so dass es wirklich kein Unheil anrichten kann.

Der hat dann auch einen Apfel bekommen…
Geburtstagsfeuer

Die Wellen umspülen unsere Füße, unsere Beine, bei mir inklusive Hose. Aber es ist so lustig, so schön! Die Kraft des Wassers zu spüren, die Steine wegrollen sehen und fühlen, währenddessen Steine, ich denke sogar etwas Jade, aufzusammeln, das ist schon ein besonderes Lebensgefühl!
Unseren nächsten Schlafplatz werden wir bei Greymouth suchen, wir wollen wieder mal einen „Self-contained“.
Greymouth ist die größte Stadt der westlichen Küste – mit knapp 6000 Einwohnern. Es hat durchaus einen städtischen Charakter, doch wirkt sie recht ärmlich. Viele herunter gekommene Häuser, viele leerstehende Geschäfte bzw. Hotels oder ähnliches. Gleichzeitig Ecken, die in moderner Weise für Freundlichkeit und Verweilen einladen.
Nachdem wir unseren Platz entdeckt haben – einen wunderschönen Parkplatz direkt mit Blick auf das Meer, gute, saubere Toiletten und kostenlos – machen wir uns wieder auf in die Stadt. Unsere Überlegung, groß essen zu gehen, zerschlägt sich, weil wir beide durch unser Picknick ziemlich satt sind. Eine Kleinigkeit wäre aber schon noch nett – und so landen wir, fast nicht zu glauben – bei Mac Donalds und teilen uns ein Big Mac Menü. Wir haben es sehr lustig!


Beim anschließenden Stadt-Spaziergang lesen wir dann an einer Tafel, dass diese kleine Stadt in den Achtzigern zweimal richtig heftig unter Überschwemmungen leiden musste. Ob das zum Teil immer noch die Auswirkungen sind? Auch wenn es 30 Jahre her ist? Die Bilder sind heftig.

Wir dachten erst, dass auch der Bank das Geld ausgegangen war, um einige Buchstaben neu anzumalen – doch dann verstanden wir…

Am Schlafplatz machen wir noch einen kleinen Gang an der Küste und durch einen angrenzenden Park, richtig nett!

Und dann kommt der Sonnenuntergang – klar, wolkenlos, ich erwarte ein Zischen, als die Sonne endgültig im Meer versinkt!

Nun machen wir es uns im Auto bequem, ich vorne, um noch etwas zu schreiben, Bernd liest auf der Liegefläche, beide haben wir einen (natürlich nicht vollen) Becher Wein, um jedenfalls einmal richtig auf sein neues Lebensjahr anzustoßen!

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