14.01.2019

Es kommt immer anders als man denkt…

Heute werden wir unsanft geweckt, mitten im Traum, um 7:00 Uhr: jemand klopft ordentlich an unsere Scheibe, ich höre es gar nicht und denke, Bernd spinnt, als er das sagt. Doch wir öffnen die Tür – und davor steht eine Frau in Uniform und einem Formular in der Hand, die uns erklärt, dass sie von der Gemeindeverwaltung ist und die self-contained-Fahrzeuge kontrolliert. Wir denken natürlich, sie möchte unser Klo sehen, aber weit gefehlt – sie erzählt uns, dass wir nicht registriert seien und uns vorne die Plakette fehlt. Der blaue Aufkleber hinten zählt nicht, weil viele den einfach klauen oder irgendwo kaufen. Ups, das wußten wir natürlich alles nicht – nur dass ich den Gedanken in Worpswede auch schon hatte, von wegen, ob man den Aufkleber nicht einfach ausdrucken könnte und so. Sie habe auch unsere Autonummer unter den Registrierungen nicht gefunden, ob wir einen anderen Nachweis hätten. Sie ist dabei total nett und wir erklären, dass wir alles an Bord haben, und dachten, dass alles in Ordnung sei. Immerhin hatten die Vorbesitzer erzählt, dass sie das Auto registriert haben lassen. Nun wissen wir es besser. zwischendurch kommt ein Einheimischer, der sie anpöbelt, dass die Gemeinde nur geldgierig sei und dass sie uns in Ruhe lassen sollte. Sie bleibt ruhig, erklärt, dass sie nur ihren Job macht und dass wir sehr nette Leute seien, und sie uns nichts Böses wollte. Der gleiche Typ hatte uns gestern schon über die Politik und Sonstiges unterhalten. Von wegen, dass wir die Welt retten müssten und dass Neuseeland dazu Hilfe bräuchte und die Regierung sowieso nur ihre eingeben  menschlichen Interessen verfolge usw. EInmal Welt retten und zurück, er war kaum zu bremsen. Sie erzählt danach auch, dass sie täglich ihre Diskussionen mit diesem Herren hätte.  Die 200$ Strafe werden wir zahlen müssen, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Allerdings fühlen wir uns nicht ungerecht oder blöd behandelt und das macht doch wirklich viel aus. Wir wollten nicht beschupsen, fühlten uns gerade mit unserer Luxus-Toilette total auf der sicheren Seite und das hat sie uns auch abgenommen. Nun wandert unser Blick auf die anderen Wohnmobile und siehe da, die haben alle vorne auch die Zertifikats-Plakette….

Nun werden wir den Tag noch hier verbringen, denn der Kemptner, der diese Zertifizierung abnehmen darf, hat erst heute nachmittag Zeit. Es kommt halt doch immer anders als man denkt…

So, später geht es weiter, mehr ist nämlich nicht passiert.

Später:

Es fängt an zu regnen, wir wissen eigentlich gar nicht, wie wir den Tag herumbekommen sollen. Können ja nicht immerzu im Café sitzen, in der Bücherei wird es uns auch schnell langweilig, draußen gießt es – was ist das denn für ein blöder Tag?
Als es weniger wird mit dem Regen, beschließe ich, dass ich raus muß, baden oder spazieren. Aber die Stimmung ist so blöd, Bernd ärgert sich total und das kommt natürlich rüber und läßt mich nicht kalt.  Und alleine hab ich auch keine richtige Motivation.
Und dann werde ich pragmatisch: ich beschließe, dass wir weiterfahren – für heute nacht haben wir eh den Campingplatz an der Hot-Water-Beach gebucht, und dann sehen wir weiter. Zur Not bleiben wir halt jede Nacht auf einem bezahlten, es müssen ja nicht immer die teuersten sein. Alles ist besser als sich nun immerzu zu ärgern. Aber jetzt noch die ganze Zeit zu warten, nicht wissen, was wir bis heute abend machen sollen, wir wissen ja nicht einmal, wann der Typ anruft,  das ist doch blöd. Und Bernd ist einverstanden. Er ärgert sich immer noch, er kann ja auch nicht aus seiner Haut.

DIe Fahrt dauert eine Stunde, in der ich versuche, mich von der Stimmung nicht so doll runterziehen zu lassen.
Dann erreichen wir die „Hot Water Beach“, werden total nett auf dem Top10-Platz empfangen und bekommen auch gleich Hilfe bei der Suche nach einem zertifizierten Monteur als wir nachfragen, ob sie jemanden wissen. Das nette Mädel am Tresen gibt uns eine Internetadresse, und dort können wir uns etwas später schlau machen.
So setzen wir erst einmal eine Wäsche an, machen eine kleine Brotzeit, bei der wir schon mal googeln, wie wir weiter mit dem Auto vorgehen können. Es gibt mehrere Möglichkeiten, und Bernd schreibt  einen Mechaniker gleich an.

Als die Wäsche fertig ist,  wandern wir an den Strand, an dem man bei Ebbe Löcher buddelt, aus denen dann warmes bis heißes Wasser kommt. So baut man sich seine eigene Badewanne. Noch ist das Wasser nicht vollständig weg und so kommen immer wieder starke Wellen, die unsere schönen Löcher wieder wegspülen. Die ganzen Plätze, die etwas vom Wasser entfernter sind, sind alle besetzt, dieses Teilstück des Strandes ist übervölkert- und alle haben ihren Spaß. Ich lasse Bernd ordentlich buddeln – bekanntermaßen baut körperliche Arbeit Ärger und Aggressionen ab…. den Spaten haben wir auf dem Campingplatz leihen können.

Und wir haben wirklich Spaß, es ist lustig, wenn es unter den Füßen schon heiß ist, dann aber eine kalte Welle kommt.  Die Ruhe, sich hinzulegen oder noch schwimmen zu gehen, hat Bernd nicht, und ich gehe dann mit ihm zurück auf den Campingplatz. Es ist völlig in Ordnung, sonst wäre ich einfach noch alleine geblieben.

Aber so duschen wir erst einmal, sortieren die Wäsche ein und kochen uns dann Kartoffeln, die wir mit Butter und Salat essen. Wir haben inzwischen eine Antwort erhalten und uns mit mehreren Möglichkeiten angefreundet: entweder können wir es hier in der nähe machen lassen oder bei der Fahrt in den Norden in Auckland, oder ganz am Ende in Auckland – oder gar nicht. Die Stimmung wird immer besser!

Zeitig gehts dann ins Bett, irgendwie brauchen wir derzeit viel Schlaf! Oder verbraucht Ärger mehr Kraft?

 

 

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