12.01.2019

Rotorua – ein Worpsweder Treffen

Es muss im Sommer 2018 gewesen sein, denn wir saßen im Sonntag in Worpswede  (für alle Nicht-Worpsweder: es ist kein Schreibfehler: das Sonntag ist eine tolle Kneipe, in der man auch super eine Kleinigkeit essen kann) – wahrscheinlich war es aber auch an einem Sonntag – draußen, trafen  Bekannte, die mit dem Bruder des Mannes dort waren., und setzten uns dazu. Wir erzählten von unserer geplanten Reise und brachten Jörg offenbar auf den Geschmackt, etwas Ähnliches in Angriff zu nehmen.  Der Gedanke wuchs in ihm, wir trafen die drei noch manches Mal dort – bei uns ist es eine Art Ritual geworden, das Wochenende mit einem Bier im Sonntag zu beenden, gerade solange man draußen sitzen kann.  Wir tauschten die Handy-Nummern aus – wir wollten mal sehen, ob wir nciht in Neuseeland einen gemeinsamen Kaffee trinken können.

Und nun ist es soweit, aber der Reihe nach…

Wir beginnen den Tag nach einem schönen Frühstück auf dem Campingplatz – Bernd macht uns ein englisches: Toast mit Speck und Eiern – mit einem Waldspaziergang. Dazu fahren wir in den Redwood-Forest und entscheiden uns für einen etwa einstündigen Weg. Es ist wunderbar, entspannend, ein Traum, Balsam für die Seele. Der Weg verläuft auf einem weichen Waldboden, riesige Bäume um uns herum, nicht so dicht, so dass sie  nicht einengen und auch genügend Licht durchlassen, aber natürlich ganz viel Schatten spenden und für eine angenehme Kühle sorgen. Ich bin mit leichten Kopfschmerzen heute aufgewacht, daher tut dieser Gang mir besonders gut.

Spiegelungen

Wir unterhalten uns gar nicht viel, genießen einfach jeder auf seine Weise.

Und ich bin die einzige, die den Anweisungen folgt – nur alle schaffe ich alleine nicht:

Nun wollen wir uns noch ein Maori-Dorf ansehen, gucken uns erst noch die mitgenommenen Prospekte durch und entscheiden gegen die angebotenen Veranstaltungen. Es sind nicht die Kosten, die uns abhalten, es ist das touristische. Ich würde zwar gerne mal erleben, wie sie ihre traditionelle Gerichte zubereiten, sie garen sie unterirdisch, und ihre Tänze finde ich beeindruckend – aber so extra in der Krieger-Kleidung, ich weiß nicht. Da kann ich mich nicht so für begeistern. Bernd geht es genauso.  Vor drei Jahren sah ich eine Aufführung im Rahmen einer Weihnachtsveranstaltung. Das war anders, denn ich war die einzige Ausländerin, die nicht aus dem Örtchen kam. Alle anderen waren Einheimische.
Wir fahren also in die Stadt, parken unser Auto in einem Parkhaus, so dass wir nicht so auf die Zeit achten müssen, und wandern zum Maori-Dorf, das man auch einfach so ansehen kann. Leider können wir das Versammlungshaus nur von außen bewundern, aber ich habe eine Kopie davon im Te Papa-Museum in Welligton gesehen. Es ist schade, dass ich es nicht fotografieren durfte, das war dort verboten. (Ich habe es sogar versucht, aber innen saß ein maorischer Aufpasser, der mich lautstark ermahnte -und den ich nicht gesehen hatte… )
Im Prospekt hingegen steht extra für die bezahlten Touren, dass man auf keinen Fall seinen Fotoapparat vergessen sollte – also darf man dann Bilder machen. Na gut.
In diesem Dorf war ich eben vor drei Jahren auch, hatte damals noch so nett mit der Maoir-Frau in dem Shop erzählt und ihr Smartphone-Unterricht gegeben – ihr gezeigt, was „das Ding, das sie eigntlich doch gar nicht brauchte, die Kinder ihr aber angeschnackt hatten“, alles konnte und sie so in  wahre Begeisterungsstürme gebracht. Die Kette, die ich von ihr als Dank geschenkt bekam, trage ich heute. Eine kleine Hoffnung hege ich, dass ich sie treffen könnte, aber erstens ist der Shop nicht mehr im gleichen Gebäude, zweitens sitzt ein muskulöser Maori-Mann an der Kasse. Ich kann ihn mir gut in einem Kriegstanz vorstellen – und möchte auch nicht wirklich eine ernste Meinungsverschiedenheit mit ihm haben. Natürlich erklärt er mir sehr nett und freundlich, dass die Schule umgezogen ist, in ein größeres Gebäude, und daher nun der Shop hier und nicht mehr unten ist. Da ich den Namen der netten Frau nicht mehr weiß, kann ich nicht nach ihrem Verbleib fragen. Vielleicht hätte sie ja heute Nachmittag Dienst.  That‘s life. Hätte ich gewußt, dass ich so schnell hierher zurückkehren würde, hätte ich ihren Kontakt nicht gelöscht. Hätte, hätte….

Wieder einmal bin überrascht, dass direkt an den Wohnhäusern heiße Quellen verlaufen, sprudeln und nicht abgesichert sind. Passiert den Kindern denn nie etwas? Cool ist, als uns ein Einheimischer mit seinem Sohn auf Fahrrädern entgegenkommt und ihm etwas zuruft, was wir überhaupt nicht verstehen können – uns grüßt er mit „Kia Ora“ , der maorisiche Willkommensgruß!  Wie schön, zu erleben, dass sie Sprache wirklich lebt! Überall in Rotorua steht alles auf beiden Sprachen. Hier leben  viele Maoris, richtig toll!

Nun sind wir wirklich viele Schritte gelaufen und suchen uns ein nettes Café, in dem wir  lesen, schreiben und chillen. Bis… zunächst ist es wirklich richtig schön, aber dann kommt ein Obdachloser entlang, der mir vorher auch schon mal aufgefallen war, ging in den daneben liegenden Hauseingang und kehrte wenige Minuten später zurück. Seitdem riecht es gelinde gesagt, sehr unangenehm. Ich denke erst, dass er es sei, aber geht weiter und es stinkt weiterhin. Der Abfluß an der Strasse? Nein, als ich aufstehe, um aufs Klo zu gehen, sah ich, was er im Hauseingang gemacht hat. Ich werde es eurer Fantasie überlassen, mir wird jedenfalls total übel. Klar kann ich mich nicht mehr wieder dahin setzen. Man erlebt eben auch unschöne Sachen auf so einer Reise.

Noch während wir lesen, habe ich Jörg, mit dem wir immer mal sporadisch Kontakt haben, das letzte Mal Silvester, angeschrieben, wo er denn inzwischen sei. Er befindet sich im Bus auf dem Weg nach Rotorua – was für ein witziger Zufall. Wir wollen zwar heute noch weiterfahren, das hat aber Zeit bis zum späteren Nachmittag. Jörg will sich melden, wenn er sein Hostel bezogen hat.

Unser nächstes Ziel ist eh die Bibliothek, in der wir erst noch eineinhalb Stunden verbringen, und dort treffen wir uns dann. Unten gibt es Kaffee, mit dem wir uns gemütlich nach draußen setzen, gerade sind Sitzkissen unter einem Sonnenschirm frei geworden. In der prallen Sonne kann man es noch nicht aushalten. Witzig, dass bei beiden meiner Neuseeland-Reisen etwas Worpswede dabei ist: letztes Mal das nette Treffen mit meiner damals noch Nachbarin Els (inszwischen ist sie weggezogen, zum Glück aber in Worpswede geblieben), und nun eben dieses mit Jörg.
Wir schnacken ungefähr eine Stunde, haben es nett berichten von unseren unterschiedlichen Erlebnissen. Jörg reist mit dem Bus und erlebt natürlich ganz andere Dinge als wir. Die Busse hier kutschieren die Backpacker zu den unterschiedlichsten Orten, halten dabei durchaus auch mal an unterwegs liegenden Sehenswürdigkeiten. Gerade wenn man nicht so viele Wochen hier unterwegs ist oder das Risikos des Auto-Kaufens nciht auf sich nehmen möchte, ist das eine tolle Art zu reisen und viele Kontakte aus aller Welt zu bekommen.

„Happiness is a cup of coffee and a good book“

Wir fahren nun weiter – Ziel ist die Ostküste. Da ich aber nun nach meinem Cappuccino fast die dritte Flasche Wasser leer habe und Bernd allmählich Hunger bekommt, berichte ich später oder morgen weiter…

 

20:15 Uhr – wir sind inzwischen in Whangamata

Eigentlich wollten wir hier nur einen Zwischenstopp einlegen, nun sind wir geblieben.

Nach unserem Treffen mit Jörg fahren wir nun wirklich weiter, ohne Ziel.  Wir wollen mal sehen, wie weit wir kommen. Langsam aber sicher melden sich meine Kopfschmerzen von morgens wieder. Ich habe nun auch noch meine Regel bekommen – hört das denn nie auf??? – und dann bin ich eh anfälliger für Migräne.  Ich fackele nicht lange und nehme meine Dröhnung – eine Anti-Migräne- und eine entzündungshemmende Schmerztablette. So bin ich nach 20 min jedenfalls schmerzfrei und eine weitere halbe Stunde später auch von der Migräne erlöst. Bis dahin mämpfe ich  besonders mit dem ganzen Sonnenlicht, das mich  bei Migräne besonders stört. Wir sind an der Ostküste gelandet und wollen nun einen Schlafplatz suchen – kostenlose gibt es in Mengen, sollte also nicht so schwer sein. Doch pustekuchen – je Platz darf man gerade mal 2-3 Plätze zum Übernachten besetzen. Keine Ahnung, warum… Und die sind natürlich schon voll, die Küste ist sehr beliebt, besonders an einem Freitag Abend! WIr ändern unseren Plan und fahren weiter nach Tauranga, dort sind zumindest drei hintereinander zum Abklappern. Und schon beim ersten – siehe da- neben dem Wohnmobil ist der Platz noch frei! Hurra, was bin ich glücklich! Die Toilette ist nicht weit und hat bis 21:00 geöffnet, also schnell etwas gegessen, ich nur wenig, das sind noch die Folgeerscheinungen, dann das Bett gemacht, Zähne putzen – fertig. Der Platz ist direkt an einem großen Kinderspielplatz. Erst ist noch lebhaftes Treiben, aber hört bald auf. Dann und wann kommt noch ein Auto angefahren, als ich schon im Bett liege, manchmal mit etwas lauter Musik, aber die bleiben nie lange. Und so schlafe ich tief und fest – bis wir um 6:30 !!!! von superlauter Popmusik geweckt werden! Meine Güte, was für ein Depp, Idiot, Blödmann! Ich sehe aus dem Fenster- zwei junge Leute, die ihr Hab und Gut zusammenpacken und ins Auto verstauen. Wahrscheinlich haben sie hier übernachtet und hauen lieber ab, bevor möglicherweise noch kontrolliert wird – es ist nämlich nur ein einfacher PKW – weit entfernt von self-contained. Und das kann teuer werden. Trotzdem – haben die denn noch nie das Wort „Rücksicht“ gehört? Empathie? Mitdenken? Dann sind sie weg- und wir sind wach… Na gut, haben wir mehr vom Tag! Bernd hat noch keinen Hunger und ich mache mir ein kleines Brötchen, das reicht. Gemütlich sitzen wir in der Sonne, Blick auf das Meer, es gibt Schlechteres! Nicht weit von unserem Auto gibt es sogar einen Wasserhahn, an dem wir uns etwas frisch machen können!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.