10.1.2019

Noch einen Tag in Taupo

Um mich herum dampft und qualmt es- und es riecht nach Schwefel! Wir sind in Rotorua gelandet. An jeder Ecke ist die Erdaktivität spürbar, und wenn es nur durch den Geruch ist.

Doch mit dem Bericht bin ich erst beim gestrigen Tag. Es ist   Mittwoch Morgen, viertel vor sieben, als ich nach einer kurzen Nacht aufwache. Ich konnte einfach nicht schlafen, es ist stickig im Auto, trotz geöffneter Fenster, das Bett ist verwuschelt, immer wieder geht die eine Gardine auf und ich höre dicke Laster von der Hauptstrasse. Ich mache autogenes Training, versuche zu meditieren – nichts hilft. Irgendwann liegen meine Nerven ziemlich blank – ich will nach Hause! Bernd wird wach und fragt, weshalb ich so unruhig bin. Ich fühle mich wie ein kleines Kind, als ich anfange zu weinen, weil „alles blöd“ ist. Weinen ist auch etwas untertrieben, Sturzbäche trifft es eher. Bernd hört mir in seiner Ruhe zu, hat Verständnis und findet es mal wieder alles nicht so schlimm, nicht, dass er nun wach ist, nicht, dass ich so weine, nicht, dass er nun wach bleiben wird und mit mir erzählt. Ich beruhige mich langsam, und wir erzählen bestimmt noch eine Stunde, kommen vom jetzigen Urlaub zu frühere, auf Situationen, die wir besonders erinnern, die nicht geplant waren und übers Leben überhaupt. Solche Nächte sind besondere Nächte – und lassen sich auch nicht planen…
Es ist weiterhin warm, Bernd schläft wieder ein, während ich noch ein wenig auf dem Handy lese. Dann schlafe ich auch wieder ein – und wir sind morgens trotzdem ausgeruht.

Der Lake Taupo ist ein sehr klarer See und wir machen uns mit einem Handtuch und Badezeug bewaffnet zum Frühschwimmen. Ach, ist das erfrischend, wunderbar! Nicht zu warm, nicht zu kalt, einfiach nur schön!
Wir schwimmen ein paar „Runden“ und fühlen uns wie frisch geduscht. Perfekt – der Tag kann beginnen.
Das Bett ist schnell zusammen gepackt und wir fahren ins Städtchen für unseren ersten Kaffee und endless water…

Anschließend geht es erst einmal in die Bibliothek, WLAN und Strom nutzen. Wir lassen gleich zwei Bücher da, die wir gebraucht in der Nelsener Bibliothek gekauft haben, die können sie gleich weiterverkaufen – und wirklich, wenige Minuten finde ich sie bereits auf dem Verkaufsstand. Gute Wiederverwertung!

Weil wir die Stromschnelle, die „Aratiatia Rapids“ heute ansehen wollen, die ja nur vier am Tag geöffnet werden, machen wir uns auf dem Weg, um um 12:00 sie sehen zu können. Es ist immer wieder beeindruckend: da werden zwei riesige Tore geöffnet und es schießt das Wasser heraus, füllt die ersten Becken, rennt weiter, füllt das nächste und wird zu einer unglaublichen Stromschnelle. Bernd und ich sind auf verschiedenen Aussichtspunkten, noch haben wir die Bilder nicht verglichen. Ich zumindest kann mich wieder nicht satt sehen, Wasser hat eine unglaubliche magische Anziehungskraft auf mich, und mache Fotos und Videos, als gäbe es kein Morgen mehr, und vor allem nie wieder Wasser. Und dabei hab ich die doch exakt vom letzen Mal, da wird sich nichts geändert haben, aber vielleicht ja doch?

Bevor es losgeht, heulen 3 mal im Abstand von 3 Minuten Sirenen auf, dann öffnen sich die zwei Tore und bis zu 90.000 l pro Sekunde schießen heraus. Das Aratiatia – Kraftwerk ist das erste von einer Kette von 8 Laufwasserkraftwerk am Waikato. Diese Stromschnellen werden allerdings nur geflutet, vier mal am Tag, weil die Stromschnellen eine große Touristen-Attraktion sind.

Weil wir ja früh aufgestanden sind und nur wenig gefrühstückt haben, haben wir Hunger und fahren wieder ins Städtchen. Bei einem Thailänder genehmigen wir uns Lunch- und bei der Wärme gibt es nicht besseres als kaltes Zitronenwasser dazu – und das wird gleich selbstverständlich mit auf den Tisch gestellt. Es erstaunt mich immer wieder, wie selbstverständlich Wasser hier überall ist. Es ist absolut kein Problem, dass man nichts anderes zum Trinken dazu bestellt. Und so wird es nicht arg teuer – was uns dazu bewegt, gleich darauf den Cappucino in der Nachbarschaft zu uns nehmen. Wir lesen und lassen es uns richtig gut gehen. Bevor wir uns aufmachen, telefoniere ich kurz mit Björn, der gerade auf dem Weg zu einer Freundin ist und schreibe mit Sven, mit dem ich mich für ein Abendtelefonat verabrede. Denn wir wollen jetzt los zu den „Craters of the moon“ . Sven ist inzwischen in die WG zu Bjlrn gezogen, da wurde gerade ein Zimmer frei und so wohnen die beiden noch einen Monat zusammen, dann kommt Björn ja wieder nach Deutschland.

Die Mondlandschaft besteht aus einer dampfenden Landschaft – überall sind Löcher, aus denen es brodelt und qualmt. Der Eintritt ist mit 8$ moderat- und es müssen die Wege ja immerzu kontrolliert und ausgebessert werden. Man sollte besser nicht vom Weg abkommen – der Boden könnte überall dünn und brüchig sein, und ein Einsacken wäre bestimmt kein Spaß! Wir sind eben in einer sehr vulkanigen Landschaft! Der Rundweg dauert eine knappe Stunde, dann sind wir im Ausgang, völlig verschwitzt durch die Schwüle der Lust zuzüglich der Wasserdämpfe.


Wir brauchen eine Dusche – oder ein Bad. Bevor ich also mit Sven telefoniere, springen wir in den wunderbaren See und kühlen uns ab. Was für ein Luxus, wenn der See direkt greifbar ist. Da er sich aus einem ehemaligen Vulkanschlund gebildet hat und die erdwärme schließlich hier immer aktiv ist, kühlt er selbst im Winter nicht sonderlich aus. Die Wärme spürte ich durchaus an den Füßen – wie eine angenehme Fußbodenheizung im Schwimmbad!

Unser Abendessen nehmen wir in Form von Brot mit Aufschnitt am Rande des Parks ein – wir können fast am Bank und Tisch parken und haben es sehr gemütlich.  Beeindruckend finde ich die Schaukel direkt hinter uns für Rollstuhlfahrer:

bevor es dunkel wird, steuern wir unseren Schlafplatz von gestern wieder an, finden auch jetzt einen Platz, auf dem wir gerade stehen und machen uns bettfertig. Eine kurze Rundelesen – dann schlafen wir- wunderbar bis zum nächsten Morgen!

 

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