Regen

Wir befinden uns am Mount Cook – und man sieht nichts! Dichte Wolken vernebeln das Blickfeld – und die Aussichten sind bis übermorgen auch in keiner Weise besser – im Gegenteil: ab heute Nacht soll es noch stärker „Cats and dogs“ regnen. Die Frage ist nur, was wir hier einen Tag machen sollen, ohne zu wandern – so viel Kaffee kann man doch nun auch nicht trinken. Und wir haben zwar gute Bücher – aber den ganzen Tag? Nun ja, derzeit sitzen wir hier und überlegen….

Heute morgen sind wir in Wanaka aufgebrochen, mit einem guten Gefühl! Nu is genug hier, nu geiht dat wider! Klar kannten wir die Vorhersagen – allein, uns fehlte der Glaube….
Die erste Etappe geht bis Omarama (dieses Wort merke ich mir über die Eselsbrücke: Oma macht ein Rama-Frühstück), das so klein ist, dass alle Häuser, sprich 4 Cafés, 2 Tankstellen, 2 Touristenlädchen und ein Einkaufsladen in eine kleine Strasse passen. Wir suchen uns das gemütlichste Café aus und sind ziemlich überrascht, dass der Preis für den Cappuccino teurer als sonst wo ist – wahrscheinlich haben sie sich hier abgesprochen… Egal, wir genießen ihn draußen, lesen dabei ein wenig und fahren dann weiter. Es geht über Twizel, ein weiteres kleines Städtchen, in dem wir einen weiteren Kaffee zu uns nehmen und einen Mini-Rundgang machen, zum Mt. Cook. Die Strasse führt zunächst am Pukaki-See entlang, und das Wetter hält sich.

Allerdings sieht man, wie in der Ferne die Wolken tiefer hängen und man kann den Regen bereits vermuten. Und wirklich, kaum haben wir den See und die ersten Kilometer der darauf folgenden steppen-ähnlichen Landschaft hinter uns, beginnt es zu gießen und hört auch nicht wieder auf. Und so schreibe ich die ersten Zeilen in diesem netten Café im Mt. Cook-Village, in dem wir uns nun Gedanken machen, wie wir weiter vorgehen.

Meine erste Überlegung, auf dem DOC-Campground hier zu bleiben und den morgigen Tag abwarten, zerschlägt sich, als ich die Wettervorhersage genauer ansehe. Und so übernehme ich Bernds Vorschlag, bis Twizel zurückzufahren, dort auf einem kostenlosen Platz zu nächtigen und den Tag morgen dort zu gestalten.
Die Rückfahrt ist recht unterhaltsam – wir holen meinen eigens für diese Reise gekauften Lautsprecher heraus und hören Hirschhausens „Liebesbeweise“. Ganz unser Humor!
Der Regen hört dann auch bald auf und wir können noch schöne See-Bilder, teilweise mit einem Regenbogen machen.

Der kostenlose Platz erweist sich als eine große Picknick-Area dicht bei Twizel, in der Mitte ein kleiner Teich, auf dem sich die Fahrzeuge großzügig verteilen können. Also nicht auf dem Teich….
Die Toilette ist ein Plumpsklo, aber eines der besseren Sorte. Es ist schon erstaunlich, welche Unterschiede es bei diesen einfachen „Stillen Örtchen“ gibt. Sauber sind sie alle, wie ausnahmslos die öffentlichen Toiletten, im Geruch hingegen….. dieses gehört zu den Angenehmen, soweit es angenehm sein kann….
Wir drehen noch eine Runde über den Platz und machen uns bald Schlaf-fertig.

Die Nacht ist ruhig und entspannend, so fahren wir gut gelaunt wieder ins Städtchen und frühstücken in dem gleichen gemütlichen Café, in dem wir gestern saßen. Der Himmel ist bewölkt, aber noch ist es trocken. So entscheiden wir uns für einen kleinen Gang am See dicht bei. Irgendwie müssen wir den Tag rum bekommen, ohne dass wir uns nerven lassen. Wir lesen viel, teils im Auto, teils im Café, machen noch einen Gang im Regen und müssen feststellen, dass unsere Wanderschuhe trotz gutem Einfetten Wasser durchlassen. Mist. Bernd ist bald leicht genervt und kehrt wieder um, ich laufe noch ein Stückchen weiter, genieße die Natur und drehe um, als ich keinen weiteren Weg mehr finde. Irgendwie komisch: seit nun drei Wochen sind wir unterwegs und es sind die ersten Momente, die ich alleine bin. Ich nehme es einfach nur wahr, nicht mehr, nicht weniger. Wahrscheinlich, weil wir oft nebeneinander ganz unterschiedliche Dinge machen, habe ich nicht das Gefühl, dass wir uns auf der Pelle hocken.
Ich bin recht nass, als ich wieder am Auto bin. Meine Jacke heißt wahrscheinlich H2O, weil sie Wasser durchlässt… wir haben aber ja alles dabei und können in einem Supermarkt Fett für die Schuhe kaufen. Und ich greife noch ein paar dicke Socken ab.
Das Abendessen findet recht abenteuerlich vorne im Auto statt: Bernd schmiert hinterm Steuerrad Brote, auf meinen in einer Wolldecke gehüllten Beine steht ein Teller mit geschnittenen Tomaten, die Weinflasche zu Bernds Füßen. Es ist halt Urlaub….

Morgen früh werden wir den Himmel ansehen und Wetter online zur Hilfe nehmen und dann entscheiden. Ob es wirklich Sinn macht, zum Mt. Cook zu fahren. Wenn man eh nichts sieht….
Ansonsten geht’s zurück über Wanaka an die Westküste. Aber das ist morgen! Gleich geht’s wieder auf den kostenlosen Campground, und vorher noch an die Wifi-Box, den Blog reinstellen.

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