8.1.19

Pferderettung – hoffentlich

Da denkt man, man verbringt einen komplett ruhigen Tag, eben wie ich die meiste Zeit, und dann kommt ein Pferd, das einen beschäftigt.

Bevor mir das allerdings begegnet, besuche ich noch nach dem langen Aufenthalt in dem Café eine Ausstellung über Vulkane und Erdbeben in der Touristen-Information. Es ist toll gemacht, und bringt mir die Nordinsel in seiner Beschaffenheit noch viel näher. Die tektonischen Platten, wo sie aufeinandertreffen, und wie es im inneren der Erde brodelt. Da ich nicht weiß, wie lange Bernd wirklich für die Wanderung braucht, nehme ich mir nicht die Zeit, alles zu verstehen, obwohl es mich gerade so aufbereitet interessiert.
Es gibt auch einen Film über die beiden schweren Erdbeben in Christchurch 2010/2011, im Abstand von 5 Monaten. Diese Berichterstattungen machen es mir noch einmal deutlich, welche Zustände da geherrscht haben und wie bewundernswert ich es weiterhin finde, dass die Bewohner den Mut aufgebracht haben, alles wieder aufzubauen. Alleine der Gedanke, wie das ganze Zerstörte aufgeräumt wurde, sprengt meine Vorstellungskraft.
In einem kleinen offenen Abteil kann mal die Erdbebenstärke nachempfinden – es ruckelt so, dass ich nicht angelehnt sitzen bleiben kann. Unglaublich, wenn man so etwas „in echt“ erlebt!

Und nun die Pferdegeschichte:

Um 15:30 ungefähr fahre ich los, um Bernd abzuholen. Er hat mit geschrieben, wann e ungefähr am Endpunkt sein wird und ich möchte ihn nicht warten lassen, kann lieber mit meinem Buch Zeit überbrücken. Gelich am Anfang der Strasse, die zum Nationalpark führt, steht es ein Pferd, festgebunden am Zaun, Leine circa 6m lang, gerade so, dass es nicht auf die Strasse kann.  Das hätte mich nicht berührt- wenn es nciht einen Tag vorher genauso da gestanden hätte. Da dachte ich allerdings, dass der Besitzer ja in der Nähe sein müsste und fuhr weiter. Aber heute? Ich wollte nun nciht halten, weil ich eben erst einmal  Bernd holen wollte, aber auf dem Rückweg würde ich noch kümmern, das stand fest. Jedenfalls einen Apfel sollte er haben.

Bernd kommt mir bereits entgegen, ist glücklich, dass der nicht nicht den ganzen Kilometer zur Straße laufen muss. Er ist natürlich total erschlagen, hat aber viel gesehen und freut sich dass er die Wanderung gemacht hat. Er wünscht sich nie Dusche- die muss aber leider noch warten. Denn erst ist das Pferd dran, mit Bernds völligem Verständnis. Auch er ist erschrocken, dass das arme Tier immer noch da steht, neben einem leeren Trog.
Ich gebe ihm erst einmal einen Apfel, maulgerecht (heißt es beim Pferd eigentlich Maul?) geschnitten. Gut, dass er den dankbar annimmt, da hätte ich auch nichts anderes erwartet. Ich hole eine Flasche Wasser aus dem Wagen, und schon beim Einfüllen fängt er an zu saufen, so schnell kann ich nicht hinterherkippen. Ich fülle insgesamt 4 l hinein, mehr habe ich nicht, und ich glaube, das 10-fache hätte nicht gereicht.


Der Hengst tut mir so leid, und ich werde mich kümmern. ALso biegen wir wieder in den Ort ab, ich frage an der Tankstelle nach, an wen ich mich wenden kann und der nette Mann empfehlt mir den „District Council“ hier, wohl eine Art Gemeindeverwaltung. Die Frau dort gibt mir eine Telefonnummer des Tierschutzbundes, sie selbst könnten da nichts machen. Zum Glück können wir ja telefonieren mit unseren Handys, aber dort sind wir zu spät, das Büro ist nicht mehr besetzt. Angeblich würden wir weitergeleitet, aber es passiert nichts. Wir wandern zur Polizei, in der Hoffnung, da jemanden zu erreichen. Doch die hat seine 10 Mintuten geschlossen, eine Telefonnummer ist angegeben, neben der „Emergency 111“, bei der aber uach niemand reingeht. ALs ich um das Haus gucke, weil doch eben ein Polizeiwagen vorbeigefahren ist, vielleicht hat er ja geparkt, sieht mich ein Officer und kommt nach vorn. Wir schildern dem wirklcih netten freundlichen Mann unser Anliegen und er verspricht, sich darum zu kümmern. So können wir beruhigt fahren und steuern nun den nächsten Campingplatz an, nicht zu weit, damit mein Mann seine wohlverdiente Dusche bekommt!

Der Campground hat mittlere Bewertungen, aber wir brauchen ja vorwiegend eine Dusche. Wie erstaunt sind wir, als der Besitzer mehr Geld als für einen TOP10 verlangt? Bernd und ich gucken uns an und ich erkläre, dass ich sehr überrascht bin über den Preis, weil wir normalerweise höchstens 40$ für beide zahlen. Na gut, wenn das so ist, ich sollte es keinem weitersagen, er würde uns den Platz dafür lassen, also 40$. Wieso habe ich nicht 30 gesagt??

Der Platz ist seine 40$ nicht wert. Er liegt zwar ruhig am See, hat aber gerade mal zwei Duschen pro Geschlecht – und da ist das nun immer mit ausgeschriebene dritte nicht mit eingerechnet!. Und die sind auch noch schlecht – entweder man verbrennt sich bei einem ganz dünnen Wasserstrahl oder man muss kalt duschen. Ich bekomme es immerhin auf lauwarm, also mehr lau als warm. Die Toiletten sind sauber – aber durch offenbar eisenhaltiges Wasser so braun, dass sie eben nicht mehr sauber aussehen. Immerhin ist die Küche wunderbar, und da bereite ich dann unser Abendessen zu , dessen Zutaten ich extra eingekauft habe damit Bernd abends eine anständige Mahlzeit bekommt! Ja, manchmal kann ich eine richtig nette Ehefrau sein!

Und es gibt immerhin nette Bilder von Campgoung und von der Umgebeung, gerade nach einem kurzen Regen…

Nach einem kurzen Gang an den See machen wir uns auch shcon bettfertig, freuen uns auf einen zeitigen Schlaf! Aber pustekuchen – bis nach Mitternacht sind wir immer wieder am Mücken-killen, die sich offenbar beim Bettenmachen eingeschlichen und versteckt haben und nun einzeln rauskommen, immer wenn wir einschlafen wollen. Haben die Nummern gezogen? Fenster sind alle zu, es ist zum ….. unser Van entwickelt sich zum Leichenwagen und wenn ich nicht wüßte, dass alle Fenster zu sind, würde ich denken, die Verwandten kommen, um sich zu rächen. Aber auch aus anderen Autos höre ich das Schlagen an die Decke… Tja, Pferde möchte ich retten, bei Mücken ist das schon anders…  und ich fühle, dass die Pferde-Geschichte auch noch nicht beendet ist.

Heute morgen gibt es nun zwei Möglichkeiten nach dem Frühstück: entweder zum Pferd und gucken, ob etwas passiert ist oder weiter nach Taupo, unser nächstes Ziel. Ihr könnt Euch denken, wie ich mich entscheide. Wir füllen alle Flaschen mit frischem Wasser (5 mal 1,5 l) und fahren zurück. Das Pferd steht immer noch da, ich hab es fast so erwartet. Es wiehert, als wir näher kommen – und trinkt so schnell, dass wir schon überlegen, ob der Trog doch ein Loch hat. Die fünf Flaschen sind schnell weg und wir halten den Behälter schräg, damit es alles bekommt. Das Seil ist fest um den Hals, ich kann es auch nicht lockern. Statt dessen könnte ich heulen. Immerhin kann es trinken … mehr können wir erst mal nicht machen, der Weg, um mit ihn in den Ort zu laufen, ist zu weit. Abmachen wäre zu gefährlich wegen der großen Strasse. Aufgeben? Sich auf die Polizei verlassen? Nein! Ich habe in meinem Leben nahezu nichts mit Pferden zu tun gehabt und hab von ihnen wirklcih keine Ahnung, bin eher zögerlich, an eines heranzugehen. Aber hier? Ich bin langsam in meinem Bewegungen, damit es sich nicht erschreckt, aber ich streichle es, stehe dicht bei ihm.

Zurück im Ort, schweren Herzens, gehen wir erneute zur Polizei und haben nun einen anderen Officer vor uns. Nach unserer Schilderung sagt er uns nett und freundlich, aber genau so klar, dass die Polizei her erst zuständig ist, wenn das Tier am Straßenrand verendet. Und dass das leider in diesem Bezirk häufig vorkommt. Ich bin geschockt. Hat denn der nette sympathische Officer von gestern, uns nur beruhigen wollen, als er versprach, sich zu kümmern? Von wegen, Touristen, die wollen wir mal nicht aufregen, sollen sich nciht mit solch üblen Sachen belasten? Nicht mit uns, mein Lieber, wir bleiben am Ball! Der Polizist rät uns auch, noch einmal beim Tierschutzbund anzurufen, je mehr sich melden, desto besser!

Und so sind wir erst einmal in dieses Café gegangen, in dem ich gestern bereits den Vormittag verbrachte, und ich habe ausführlich mit einer Dame vom Tierschutz gesprochen. Die liess sich alles genau beschrieben, fragte nach, wie schnell das Pferd denn getrunken hatte, und ließ sich den Ort genau beschreiben. Ich schickte ihr dann noch gemachte Fotos und habe nun das Gefühl, dass sich gekümmert wird. Noch einmal werde ich nicht nachsehen können. Und mehr kann ich nicht machen – außer ich eröffne hier eine Farm für ausgesetzte Pferde – und das ist nicht unbedingt mein Spezialgebiet…. Außerdem möchte ich ja doch zurück zu Euch!

 

 

 

 

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