18.01.19

Schon nachts wache ich immer wieder auf, weil ich weiterhin Migräne habe, Mist! Sie bleibt eben doch so lange, bis ich dazu stehe, was wirklich los ist und sie auslöst. Die Lösung ist eigentlich gar nicht so schwer: ich habe keine Lust mehr zum Reisen,  auf das ständige Orgnaisieren und nicht wissen, wo ich die nächste Nacht verbringe. Mir fehlen die Frauengespräche! So schön es ist mit Bernd ist – das ist einfach etwas anderes. Und wenn man 24 Stunden am Tag 7 Tage die Woche zusammen ist, kann man sich doch nicht immer wieder etwas Neues erzählen, worüber denn?  Jedenfalls nicht, wenn man 30 Jahre seines Lebens gemeinsam verbracht hat – da gibt es auch nur noch weniges aus dem früheren Leben, was man noch nicht erzählt hat…

Wir schlafen aus und frühstücken in Ruhe, Auch danach bleiben wir noch auf dem Platz, einfach zum Chillen. Der Ranger ist nicht gekommen, oder er hat uns nicht geweckt. So hatten wir die Nacht kostenlos, allerdings umgerechnet auf 2 Stunden Bezahl-Versuch ist es ein schlechter Stundenlohn.

Frühstücksbesuch

Meinem Dröhnschädel mache ich erneut mit ner Tablette den Garaus und im Auto, auf dem Weg weiter in den Norden, spreche ich auch mit Bernd darüber. Ich habe ein schlechtes Gewissen, einfach so, auch wenn mein Kopf weiß, dass ich mich doch nicht für meine Gefühle schämen muss. Wo ich mich doch immer so auf das Reisen gefreut habe, immer wieder etwas Neues sehen, erleben. Aber vielleicht ist auch irgendwann der Kopf voll, und außerdem ist dasalles ganz egal – es ist so, Punkt, aus, Ende!
Wie immer tut es gut, es auszusprechen,  Am wichtigsten ist es ja doch immer, es mir zuzugeben und am besten auszusprechen, dann habe ich die meisten Chancen, dass sie wegbleibt. Und Bernd? Der findet das alles nicht nur nicht schlimm, sondern ganz normal. Und ganz pragmatisch meint er, wir werden sehen, dass wir uns die letzten Tage mehr Ruhe gönnen und es uns nett machen. Und dass ich – und auch er – sich wieder auf zuhause freuen, ist doch wunderbar!
So, nun kann die Tablette wirklich helfen!

Wir fahren zunächst bis Whangarei, wo wir am Hafen eine Kaffeepause machen. Die Stadt, die ich eignetlich so toll fand, ist mir viel zu voll und zu laut heute, und ich möchte auch gar nicht lange hier bleiben. Dementsprechend machen wir uns anschließend wieder auf den Weg und fahren die Küste weiter hoch, machen einen Halt beim Hundertwasser-Klo

und enden in Paihia an der „Bay of Islands“. Auch hier ist es sehr  touristisch, aber trotzdem wunderschön und nicht ganz so voll. Leider gibt es weit und breit  keinen kostenlosen Campingplatz, so dass wir einen Top10 ansteuern. Dort sehe ich das erste Wohnmobil mit Deutschem Kennzeichen! Ich denke erst, ich spinne, und dass es einfach nur dem deutschen ähnelt, aber nein – es ist so! Ich spreche die Leute an, sie kommen aus Ulm, und haben ihr Wohnmobil mitgenommen, verschifft. In Deutschland haben sie alles verkauft, ihre wichtigsten Möbel in Containern gelagert und reisen nun rum – 9 Monate Neuseeland. Und davor waren sie in Amerika für ein Jahr und hinterher geht es nach Australien – und dann mal sehen! Uff, es gab mal eine Zeit, da habe ich genau von einem solchen Leben geträumt, heute kann ich mir das nicht mehr vorstellen. Ich glaube, so „retired“ (also berentet) kann ich gar nicht werden, um damit zufrieden zu sein. Nein, immer mal wieder raus und Neues erleben – auf jeden Fall – aber ich denke ja eher, dass mir selbst 10 Wochen zu lange sind.

Es ist ein schönes Gefühl, sich in seinem Dorf so wohl und heimatlich zu fühlen! Und dazu gehören so viele so tolle und liebe Freundinnen, Freunde und Bekannte!

Der Platz ist klein und ruhig, und ebenfalls direkt am Wasser. Der Stelplatz, für den wir uns wegen des Preises entscheiden, ist etwas weg vom Wasser – aber wir sind ganz für uns, es ist dunkel – und ich finde, er sollte der teuerste sein! Für mich ist er der allerbeste!
Auf dem ganzen Platz ist es naturgemäß am Tag sehr laut: in den Bäumen müssen Millionen von neuseeländischen Zikaden sein, die eigentümliche Geräusche machen, indem sie ihre Flügel aneinander schlagen. Stellt euch eine Starkstromleitung vor – in ganz laut! Andere wiederum knacken immerzu. Doch so sehr wir suchen und den Geräuschen hinterher wandern – wir können sie nicht entdecken.

Daher ein Bild aus dem Internet:

Vor dem Campen gibt es noch Pommes am Hafen – einmal normale, und eine Portion aus Kumara, eine Süßkartoffelart.

Man achte auf die Verziehrung!

 

17.01.2019

Am nächsten Morgen wache ich mal wieder mit leichter Migräne auf – es war für mich also doch gestern anstrengender als gedacht gewesen, hatte schon abends leichte Kopfweh. Aber ich nehme meine Anti-Migräne-Dröhnung und kann den Tag dann gut angehen.
Unsere erste Anlaufstelle ist Miranda, dort soll man gut Watvögel beobachten können – allerdings am besten kurz vor under nach der Flut. Und die war leider morgens um 4:00. Die Vogelstation hat noch nicht geöffnet, wir sind einfach früh heute, und so fahren wir ein paar Kilometer weiter und frühstücken erst einmal eine Kleinigkeit in einem kleinen Dorfcafé. Ich frage mich, wie so ein Cáfe sich überhaupt halten kann – das Dorf ist so klein und viel Tourismus scheint hier auch nicht zu sein. Trotzdem kommen, während wir da sitzen, ungefähr 4 Einheimische, ordern einen Kaffee oder kaufen Obst, das auch angeboten wird. Am besten ist die Toilette, die ein wenig an Hundertwasser erinnert:

An der Vogelstation treffen wir eine Frau wieder, die eben auch einen Kaffee getrunken hat, und die dort arbeitet. Sie erkennt uns ebenfalls und so kommen wir nett ins Gespräch. Sie bestätigt, dass es jetzt keine günstige Zeit ist, um die Mengen zu sehen, aber einige werden auf jeden Fall da sein.
Doch schon beim ersten Beobachtungsposten wird klar, dass es zu spät ist – das Watt ist total trocken, es sind man gerade zwei Vögel da. Auf einem anderen sieht es nicht  viel anders aus. Aber da bleiben, bis die Flut kommt? Das würde wieder heißen, einfach zu warten, ohne danach zu wissen, wie wir weitermachen, und es fühlt sich für uns beide nicht gut an. Und so fahren wir weiter – wir wollen ins Nordland und dazu müssen wir an Auckland vorbei. Und meistens sind dort die Strassen gruselig voll.
Kurz vor der Millionenstadt fahren wir aber noch in einen Vorort, um ein Schwimmbad zu besuchen. Wir fühlen uns so klebrig und brauchen dringend eine Dusche. Und wenn wir die nächste Nacht wieder möglichst self-contained übernachten wollen, ist das zwingend nötig!
Das Schwimmbad ist schnell gefunden und kostet erstaunlich wenig: 4$ pro Peron, das sind man gerade 2,30€. Senioren (nur neuseeländische…) sind frei und Kinder auch fast. Wir duschen erst einmal und schwimmen dann eine Runde. Dafür, dass es ein Vorort ist, ist das Schwimmbad erstaunlich groß! Abgetrennte Bereiche für alle Altersklassen, so dass die Kleinen auch nicht zu den Schwimmer-Becken gelangen können. Witzigerweise baden die meisten mit Badeabzügen oder sogar mit langen Oberteilen. Von draußen kennen wir das, es ist ein Sonnenschutz, hier in NZ sehr wichtig. Aber innen? Im Bekini fühle ich mich fast nackt, was noch unterstützt wird, dass ein kleines Maori-Mädchen mich anspricht, ob ich denn die Zeichen nicht gesehen hätte. Sie zeigt mir auf einem Schild, was erlaubt ist und was nicht: darauf sind dann ein BH abgebildet – der aussieht wie ein Bikini-Oberteil. Aber es steht dabei: no bras and no underwear (Unterwäsche). Das erkläre ich ihr, aber ich bin wirklich die einzige. Doch was soll’s- ich bin man gerade eine Stunde hier und keiner wird mich je wiedersehen…  Also schwimmen wir unsere Runden und duschen danach noch mal das Chlorwasser ab  und fühlen uns wie neugeboren! Nun geht es an Auckland vorbei, schneller als gedacht – und so landen wir in Orewa, wo ich gestern dann geschrieben habe.

Brotzeit, bevor ich im Café schreibe

Einen kostenlosen Platz gibt es hier nicht, also fahren  wir zum Schlafen  auf einen Campground, der in einem wunderschönen Park liegt. Freie Platzwahl, direkt am Wasser, das Gate wird um 21:00 geschlossen, viele Tiere! So schön! Der Platz ist nicht kostenlos, aber mit 16$ für beide doch fast! Es gibt gute öffentliche Toiletten, sogar eine Außendusche finden wir, aber die brauchen wir ja nicht mehr.

Allerdings gibt es Probleme mit dem Bezahlen: man soll per Kreditkarte zahlen, was grundsätzlich kein Problem darstellt- doch die Internetseite ist so gesichert, dass man eine TAN von der eigenen Bank bekommen soll – und die läuft auf die deutsche Telefonnummer, die nicht abrufbar ist. Wir probieren fast zwei Stunden herum, telefonieren mit den zuständigen Leuten, werden hin und her geleitet – und geben auf.
Mit einer sehr netten Frau erzähle ich währenddessen, und die rät uns, doch zu warten, bis jemand kontrollieren kommt und dann zu bezahlen. Genau den Gedanken hatte ich auch schon und so machen wir das. Wir bauen Tisch und Stühle auf und kochen uns Nudeln. Gerade, als wir essen wollen, kommt einer herumgefahren und kontrolliert, ob auch alle zertifiziert self-contained sind. Logisch, wie glücklich wir ihm unseren Schrieb zeigen! Das Geld will er nicht annehmen, wir sollen es morgen früh dem Ranger geben, der irgendwann herumkommt. Okay, also werden wir morgen früh sehen.

Ganz glücklich bin ich, als ich noch einen Papageien sehe, und später sogar noch eine schar über uns hinweg fliegen! Leider kann ich kein Foto machen – bis ich den Apparat angestellt habe und heranzoome, ist er bereits weitergeflogen, und ich weiß nicht wohin.