Wir müssen aufstehen, weil es definitiv zu warm im Auto wird – wunderbar, dann kann das Wetter ja nur gut sein. Und so ist es natürlich auch. Unsere erste Überlegung, zurück nach Ross zufahren umhört zu frühstücken, lassen wir schnell wieder fallen, wir haben doch so gut eingekauft, und so bauen wir Tisch und Stühle auf und essen unser Müsli.
Außerdem wollen wir ja heute vormittag mit den Kindern skypen, die dann Heiligabend – spätnachmittags haben. Abends wollen sie mit Freunden kochen und so konnten wir uns auf diesen Zeitraum einigen. Wir bekommen bald schon fragende SMS, wann wir denn jetzt genau telefonieren wollen – doch ab und zu kommen zwar SMS an aber wir können wegen fehlendem Netz nicht antworten. Also hetze ich Bernd auf die Strasse, und schon können wir den Zeitpunkt festlegen, und 10 Minuten später haben wir in Hokitika Wifi, sitzen in der Sonne und klönen mit den Jungs, die es sich in einem Café gerade gemütlich gemacht haben. Wir stellen einen Temperaturunterschied von 35 Grad fest – bei denen sind minus 15, bei uns plus 20 Grad…
Wir haben nicht so lange Zeit, weil das Café in Montreal um 17:00 schliesst, aber es reicht, um sich frohe Weihnachten zu wünschen und zu hören, dass es Björn wieder ganz gut geht und Sven noch nicht. Trotzdem – beide da gemeinsam zu sehen, mit ihnen zu reden, zu wissen, dass sie füreinander da sind, hat für mich etwas Beruhigendes.
Hokitika ist ziemlich ausgestorben. Da und dort ein paar wenige Touristen, das wars. Die Geschäfte haben bis auf eine Galerie alle geschlossen, ein Café ist geöffnet. Das nehmen wir auch gleich für den ersten Cappuccino, und später noch einmal für einen weiteren inklusive Scone. Man sitzt schön und es ist entspannend. Den Rest des Vormittags verbringen wir am Strand, völlig fasziniert von der Kraft des Wassers, das in hohen Wellen an das Ufer schlägt. Und natürlich kommen die Gedanken, was ein Tsunami anrichten kann…
Das Café schliesst wie sonst auch um 15:00. Ich werde in diesem Leben nicht mehr verstehen, wie ein Café, als solches benannt und beschrieben, dann zumacht, wenn man normalerweise Kaffee trinken möchte. Wann denn, wenn nicht um 15:00/16:00 – es sei denn man hat Urlaub und möchte es den ganzen Tag? Aber auf jeden Fall nachmittags?? Doch in Neuseeland ist bekanntlich vieles anders, und somit verlassen wir zur Kaffeezeit die Stadt und fahren zur Hokitika Gorge, die 30 km entfernt und wunderschön ist. Eine kleine Wanderung, wunderschönes Wasser – und nicht übervoll, weil ja die meisten Weihnachten in ihren Familien feiern. Manche sind sogar am Baden, das wäre mir allerdings viel zu kalt… Aber es herrscht eine tolle Stimmung!
Eigentlich wollen wir anschließend auf dem Campground chillen, lesen oder schreiben, und später kochen – doch der Wind macht uns einen Strich durch die Rechnung. Wir finden keinen windgeschützten Platz – und auf einen steifen Nacken haben wir keine Lust. Überhaupt ist es noch unklar, ob wir hier bleiben wollen. Ich war ja immer begeistert von den DOC-Plätzen, aber die haben die Preise so erhöht, dass es kaum einzusehen ist. 13$ pro Person, auf manchen guten offiziellen Plätzen zahlst du 5 $ mehr und hast Duschen, Kochmöglichkeiten, gute Toiletten usw. Vor drei Jahren zahlte ich 6 $ pro Person…
Wir gucken in die Camping-App und finden sehr nahe einen Campground mit super Bewertungen – und zahlen wirklich pro Person nur 4 $ mehr. Und so können wir nun noch schön drinnen sitzen, haben gekocht und einen leckeren Salat gemacht, frisch geduscht sind wir auch. Der Leiter des Platzes, ein etwas merkwürdiger älterer Mann, ist mit denen, die Lust haben, zu der Glühwürmchen-Höhle gefahren, einAngebot, was er wohl jeden Abend macht. Es stand zumindest mit in den Bewertungen. Aber wir waren ja gestern dort gewesen und das reicht uns.
Ich bin richtig gerührt – so viele liebe Weihnachtswünsche, sei es über Mail, WhatsApp, Facebook usw. Die moderne, digitale Welt hat hier eindeutig hier Vorteile – dass man mit seinen lieben Verwandten, Freunden, Bekannten so in Kontakt bleiben kann! Gerade zu solchen für mich doch emotionalen Festen! DANKE!
Während wir den ersten Kaffee am ersten Weihnachtstag zu uns nehmen, sitzt Ihr noch mit Euren Lieben unterm Tannenbaum, mit einem Glas Wein und hoffentlich glücklich! Für ein paar Stunden die schlimmen Nachrichten aus der Welt innerlich ausschalten, den Moment genießen, dankbar sein für das, was wir haben – das wünsche ich allen!
Wir verlassen das Hostel mit einem weinenden Auge, es war so gemütlich dort. Besonders der letzte Abend, von dem ich ja schon geschrieben habe. Doch dasFranz-Josef-Village ist „abgefrühstückt“, genug an Touristen-Trubel, wir möchten nun auch wieder in ruhigere Gefilde! Einen letzten Cappuccino, um nochdasWifi zu nutzen, dann geht es weiter in Richtung Norden mit dem Ziel Hokitika, das Städtchen, in dem ich mich beim letzten Mal auch so wohl gefühlt habe!
Die Strassse ist kurvig und bergig, wir kommen langsam voran, aber die Ausblicke sind wunderschön! Keine Wolke weit und breit, die Seen, an denen wir vorüber fahren, strahlen in einem tiefen Blau. Dazu das satte Grün der Pflanzen!
In Ross machen wir eine Pause – hier habe ich damals eine Wanderung im Regen gemacht. Ein nahezu ausgestorben wirkender Ort, der vom Goldrausch vor vielen, vielen Jahren lebt – ein kleines Museum, einen Mini-Einkaufsladen, eine kleine Kirche, und eine Bar/Café. Im Regen wirkte er total tot, heute nur noch fast. Die Sonne erweckt eben doch so einiges. Eigentlich halten wir nur, weil ich mit meinem jüngeren Sohn telefonieren möchte, dem es nicht so gut geht. Und hier haben wir zumindest Telefonnetz und einigermaßen funktionierende mobile Daten. Da Bernd noch für diesen Monat so viele hat und die bald verfallen, nutze ich es aus, wenn es schon kein Wifi gibt. Der Cappuccino und die „handmade“ Scones sind lecker und günstig und ich kann in Ruhe mit Sven erzählen.
Im Kaffee – es hört sich genauso an, wie es aussieht: alt aber gestimmt
Ich wehre mich dagegen, aber es zieht mich doch runter, dass es ihm gerade nciht gut geht und ich ihm nicht wirklich helfen kann. Normalerweise kann ich mich da freier von machen – aber dann ist es auch nicht Weihnachten. Dabei ist er nicht krank, und das ist doch auch schon was. Trotzdem, ich möchte, dass es meinen Kindern gut geht, dass sie glücklich sind. Na gut, welche Mutter möchte das nicht?
Im Endeffekt kann ich mich noch gut mit Björn austauschen dem es einen Tag vorher nicht gut ging, und der mir klar macht, dass es doch normal ist, dass man mal traurig ist und die Mutter nicht helfen, sondern nur zuhören kann. Ihm gehe es auch wieder besser und klar kümmert er sich um seinen Bruder, sie würden schon das Beste draus machen. Per Sprachnachricht kommen solche lieben Worte, ich kann kaum antworten, fange nämlich direkt an zu weinen. Aber auch damit kann er gut umgehen, alles kein Problem. Ich bin dankbar, wie toll meine Söhne mit Gefühlen umgehen können und wie offen wir über eben so etwas reden können. (Und ein bisschen sauer auf mich, dass ich immer noch höhere Ansprüche habe, aber auch da lerne ich hoffentlich immer weiter dazu!) Immer wieder kommen bei mir dann Ängste hoch, frei nach dem Motto „jetzt geht gar nichts mehr, jetzt sind sie IMMER traurig, und ich kann nichts machen, und wäre ich nicht so eine doofe Mutter gewesen, dann….. STOP!! Solchen Gedanken gebe ich nach Möglichkeit, d.h. wenn ich sie erkenne, keinen Raum mehr, ich weiß schließlich, dass sie keinerlei Berechtigung haben! Umso toller finde ich, dass Björn mich da runterholen kann, ich mich ruhiger fühle und weiß, dass sich alles zurecht läuft. (Ich weiß gar nicht, ob man das so im Deutschen sagt, auf Plattdeutsch ist mir das einfach so vertraut…) Und welch ein Glück, dass die beiden zusammen in Montreal sind!
Genug jetzt davon, ich bin wieder glücklich und wir sind inzwischen in Hokitika angekommen. Aufgrund der unglaublich guten Sicht können wir von hier den Mt. Cook sehen!
Da ja heute Heiligabend ist, machen wir noch einen Großeinkauf – morgen ist einer der drei Tage im Jahr, an denen die Supermärkte geschlossen haben. Am Abend wollen wir essen gehen, nicht zu spät, aber schön. wir gönnen uns noch eine schöne Auszeit am Meer, Bernd geht ein wenig durchs Wasser, ich lese.
Als wir uns dann gucken, welche Lokalitäten denn geöffnet haben, stellen wir fest, dass die Neuseeländer offenbar zumindest am Christman evening nicht lange unterwegs sind – die meisten schließen um 20:00, die anderen eine Stunde später. Hm, das passt ja nicht so richtig, es ist immerhin schon 19:00, und runterschlingen wollen wir das teuer bezahlte Essen dann doch nicht. Im Endeffekt setzten wir uns nicht in die Pizzaria, sondern nehmen eine „Takeaway“ und setzen uns mit ihr, einer Falsche Wein und für mich eine noch extra für Weihnachten gekaufte Falsche Cola Zero an den Strand. Beste Lösung, tolles Flair!
Inzwischen bekommen wir die Nachricht, dass es gleich gut passt, mit den Nachbarn zu skypen – die mit den 5 Kindern. Wir haben eh schon alles eingepackt und machen uns auf zu Wifi-Zelle und freuen uns total, als wir sie alle durcheinander wirbelnd auf dem Bildschirm sehen! Sie erzählen aufgeregt, können die Zeit bis zum Heiligen Abend kaum abwarten. Die kleinen sind immer wieder fasziniert dass wir da auf dem Smartphone erscheinen und winken und patschen drauf. Wir bekommen das Bild zu sehen, das die großen zwei für den Weihnachtsmann gemalt haben – sicherlich ein Bestechungsversuch, dass ihr größter Wunsch, ein „kackender“ Hund, von dem sie immer wieder seit Wochen schwärmen, erfüllt wird?
Bernd schlägt vor, nun auf den 10km entfernten Campingplatz zu fahren, ein DOC-Campground, damit wir das Bett noch im Hellen aufbauen können. Es ist halt doch immer etwas kompliziert – tagsüber haben wir die Matratze halbiert, damit wir an die Vorräte rankommen, außerdem Klamotten und alles mögliche auf dem Brett gelagert. Das muss dann erst einmal alles nach vorne gelegt, dann die Matratze ausgebreitet und das Bettzeug bettmäßig drapiert werden. Anschließend sind die Vordersitze dementsprechend belegt.
ich finde es aber zu schade, an einem so lauen Abend uns schon bettfertig zu machen, zu doll ist hier noch die Stimmung. Wir einigen uns darauf, das Bett hier zu richten, durchs Städtchen zu flanieren und vielleicht noch ein Bier zu trinken.
Nun erst sieht man überhaupt die weihnachtliche Beleuchtung.
Es ist noch nicht ganz dunkel, aber immerhin. Am Strand beobachten wir noch den Sonnenuntergang, der heute richtig kitschig ist, und begeben uns anschließend in die Kneipe. Dort haben sich inzwischen alle Weihnachtsmänner und -Frauen der Stadt versammelt, Durchschnittsalter 20 Jahre , Durchschnittspromille 2,5…- da kommen wir uns ja wie unserer eigenen Großeltern vor, und das auch noch nüchtern.
ich erinnere die Glühwürmchen-Höhle, die hier sehr dicht bei Hokitika ist, und wir machen uns auf den weg. Ich beschließe, alle Sachen auf dem Beifahrersitz zu belassen und fahre im Liegen mit. Es ist sehr gemütlich – und ich freue mich auf die längere Fahrt zur Schlafstätte!
Es sind bereits viele Autos an der Cave und wir stellen uns dazu. Eigentlich is ja keine echte Höhle, sondern eine sehr verwachsene Baumansammlug, die einfach wie eine Höhle aussieht. Und auf dem stockdunklem Weg gehen wir hinein, können kaum die Menschen sehen, die uns entgegen kommen. Und dann sie sie da – die bläulich leitenden Glühwürmchen, die eignetlich eine Art Mückenlarven sind. Wunderschön! Wie Ketten hängen sie von den Bäumen, auf ein Foto bekomme ich sie aber schwierig bis gar nicht. Es ist, als ob man in den Sternenhimmel guckt!
Als eine neue Schar Jugendlicher kommt, die immer wieder ihre Lichter anmachen, gehen wir, wir wollen uns diesen schönen Eindruck nicht kaputt machen lassen, außerdem haben wir lange genug in dieses Wunderwerk geguckt.
Gemüglich auf dem Bett ausgestreckt, lasse ich mich zum Campground kutschieren. Es ist nun komplett dunkel, als wir ankommen. Der Platz ist riesig, liegt an einem See und hat Toiletten und eienUnterstand mit Waschbecken. Sehr luxuriös ausgestattet. Mit der Kopflampe finden wir den kleinen Stand, an dem wir die Zettel zum Ausfüllen und die Tütchen zum Geld-reinstecken finden. DAnn noch auf Toilette, Zähne putzen, fertig!
Nachtvögel sind laut zu hören, direkt am Klohäuschen sitzt eine Eule im Baum, fotogen auf einem fast kahlen Ast! Ach was für ein schöner Anblick!