16.12.2018 – Sonntag

Den Vormittag verleben wir mal wieder sehr ruhig. Es ist Sonntag, und ich erinnere eigentlich, dass ich mich da in Städten immer recht verloren fühlte. Hier in Wanaka merkt man  vom Sonntag gar nichts, außer dass Banken und wahrscheinlich ähnliche Institutionen geschlossen haben. Alle Läden haben geöffnet – okay, das sind wir auch in Worpswede gewöhnt – aber dass die Müllabfuhr arbeitet, das erstaunt mich dann doch. Wir schlendern zunächst durch das Städtchen, ich erzähle von vielen Erinnerungen – hier habe ich das und dort dies, und so weiter. Nach einem ersten Cappuccino machen wir dann einen Spaziergang am See. Einige baden, manche fahren Kanu oder SUP (=Stand Up Paddleling), mehrere lassen sich rösten. Die Sonne sticht, obwohl es nur 25 Grad sind.  Ich konnte dem Sonnenbaden zwar noch nie etwas abgewinnen, aber dass ELtern ihre Kinder fast bis zur Unkennlichkeit vermummen und schützen, sich selbst aber  mit der knappesten Bekleidung bräunen, geht einfach nicht in meinen Kopf. Meinen die, gegen Hautkrebs immun zu sein? uns fällt es am eigenen Körper auf, dass die Sonne hier stärker ist als bei uns und wir nicht nur schneller bräunen sondern auch röten…

Blick auf den See
Der Weg ist gesäumt von Ereignissen in jedemJahr – wenn sie nichts wußten, blieben die Steine leer…

Egal, jeder ist seines Hautkrebses Schmied und es ist nicht überlaufen und dementsprechend nicht totales Geschrei, einfach gemütlich. Nur – ich bin innerlich unruhig und nicht gut drauf. Weiß nicht, was ich möchte, mir ist zu heiß, und überhaupt. Alle wissen was sie wollen, nur ich nicht, alle dürfen bis 12:00 weg gehen,….
Sind es die Wechseljahre? Ich tippe eher auf Wechseltage – jeden Tag bin ich anders drauf, und das kann schon dimensional sein.
Wir beschließen, eine kleine Wanderung zu machen. Da gibt es einen kleinen Hausberge, der tolle Aussichten verspricht und nur 1,5 Stunden dauern soll. Der WEg wir als netter Spaziergang beschrieben. Eigentlich genau das Richtige, eigentlich…

Schon nach 10 Minuten hab ich das Gefühl, ich kann nicht mehr, mein Puls rast, die Steigungen  sind ordentlich und die Sonne brennt. Man sollte vielleicht nicht gerade in der Hauptsonnenzeit wandern gehen, schattengebende Bäume  gibt es nämlich auch nur sehr vereinzelt. Mich frustet das – ich wäre doch so gerne cool, locker und überhaupt. Könnte auch übersetzt heißen – umtrainierte sportlich sein, mit einem Lächeln im Gesicht und  unverschwitzt kurz mal rauf auf den Berg und sich freuen. Irgendwie neigte ich schon immer dazu, unrealistisch zu werden, wenn ich nicht gut drauf bin, besonders wenn es um meine eigenen Ansprüche geht.  Zum Glück habe ich meinen Realismus  in Form meines Mannes mit, der mich sehr liebevoll auf den Boden der Tatsachen bringt. Statt des Lächelns heule ich, ich habe, meerverbunden wie ich bin, sehr nahe am Wasser gebaut,  unverschwitzt kann man meinen hochroten Kopf auch nicht nennen. Mein Kreislauf spielt auch verrückt, mir ist übel und ich gehe zähneknirschend auf Bernds Vorschlag ein, doch lieber umzukehren. Das sollte dich besser für den Anfang reichen, wir waren halt noch nicht viel wandern und sollten es langsam angehen lassen. Wir sind doch nicht im Trainingslager, sondern im Urlaub…  Habe ich schon mal erwähnt, dass ich den welt-nettesten Mann geheiratet habe? Auf dem Rückweg fällt mir ein, dass ich auch der letzten Reise hier für mich lernen musste, dass ich ruhig auch mal aufgeben darf und nicht alles schaffen muss.  Aufgeben nicht als Schwäche zusehen, nicht als Versagt haben, das fällt mir schwer. Den Blick darauf richten, was ich schon alles geschafft habe und nicht darauf, was noch nicht.  Immer wieder, ich werde sicherlich noch mehrere Situationen dafür brauchen, es zu lernen.

Trotzdem schöne Ausblicke

So sind wir nach 45 Minuten wieder unten, glücklich, ich jedenfalls, fahren noch einkaufen und gehen dann wieder auf den Campground, um ausgiebig zu duschen und dann zu chillen.

Abends machen wir noch einen kleinen Spaziergang an den See- die Abendatmosphäre ist superschön!

Wie wir die nächsten Tage weitermachen wollen, versuchen wir zu planen, aber anhand der Wettervorhersage ist es schwer. Morgen wird vorerst der letzte schöne Tag sein, danach wird es hier schauern, im angepeilten Mount Cook Village wohl dauer-regnen. Und wenn man den tollen Berg dann doch nicht sieht, lohnt sich die 220 km lange Fahrt, die wir auch komplett zurück müssen, nicht so richtig. Wir könnten natürlich morgen den tag nutzen um hinzufahren, aber bei Sonne wieder so vielem Auto sitzen? Auch nicht prickelnd . Wir vertagen das Thema und verlegen die Entscheidung auf morgen früh…

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