4.1.19

Wellington die Zweite

Wir sind auf dem Weg nach Palmerston North, wo in der Nähe heute eine Bekannte besuchen, die ich beim letzten Mal kennenlernet, weil Sven mir einen Brief für sie mitgegeben hatte.
In Waikanae wollen wir eine Pause machen – da wir gestern erst spät gegessen haben, war uns vorher noch nicht nach Frühstück. Hier ist ein netter Platz, keine Autos, zwei nette Cafés, von denen wir das auswählen, in dem die Scones noch leckerer aussehen und wir schön draußen in der Sonne sitzen können. Ein richtig guter Sänger mit Gitarre sort für die Hintergrundunterhaltung – und wir haben zwischendurch mal etwas Geld gespendet, damit er auch weitermacht. Witzigerweise spielen alle hier in allen Kneipen immer das Gleiche – Lieder aus den 60-/70gern. Als hätten sie alle die gleiche CD-Box mit 20-30 Liedern. Wir hören sie gerne!

Doch zu gestern:
Da Bernd morgens Mails schreiben und beantworten muss, kommen wir doch später als gedacht los und nehmen wieder das Auto. Doch nun wissen wir ja, wo wir günstiger parken können und stellen unser Auto direkt am Eingang des Botanischen Gartens ab. In einem Kiosk kaufe ich ein Ticket, das uns erlaubt, länger als zwei Stunden zu parken und wir begeben uns hoch zu der Cable Car. Wir wollen einfach nur hinunter fahren, wissen aus der I-Site gestern auch, dass es problemlos möglich ist, und wir am Ausgang bezahlen können. Und so ist es auch – es gibt gar keinen Raum darüber nachzudenken, schwarz zu fahren – es ist extra ein Schalter eingerichtet, und man kommt auch nur mit einer Karte nach draußen. Nein, natürlich wäre es mir NIE in den Sinn gekommen, schwarz zu fahren….
Unser Plan sieht vor: Te Papa Museum, Café in der library, Cuba Streett. Aber ich schmeiße den gleich um- ich brauche erst einmal einen Cappuccino. Meine Nerven sind heute nicht so richtig stabil, will heißen, ich bin am „Mein-Opa-ist-tot-Wasser“ gebaut, könnte auf Hochdeutsch bei der kleinsten Kleinigkeit grundlos losweinen. Nein, es sind nicht die Wechseljahre, das hab ich schon immer gehabt, immer mal wieder. Kann keinen Grund nennen, und da ich nun nicht immer weinen möchte, gehen wir in die Bibliothek und trinken erst einmal in Ruhe den Kaffee und ich esse einen Pie. Wir nehmen uns Zeit, erzählen ein wenig und ich komme wieder zu mir, es geht mir besser, und ich bin bereit für den Tag.
Der Weg führt wieder einen wunderschönen Platz vorbei, an Museen und anderen Kunstwerken, bis wir zum Wasser kommen – auch hier wieder den Springern zusehen.

Nun geht es ins Museum. Ich hatte nicht mehr in Erinnerung, wie schön es hier ist! Es geht im Besonderen über Maori-Kultur, aber auch in einem anderen Bereich um Zugezogene aus verschiedenen Südseeinseln und um Flüchtlinge. Alles so dargestellt, dass ich es gerne lese und mir Filmchen anhöre. Diese Filme sind immer mit Untertiteln versehen, was der Verstehen sehr vereinfacht. Und da sind Bildschirme, auf denen authentische Menschen ihre Geschichte kurz erzählen. Und der Raum, in. Dem es über die Flüchtlinge geht, hat auf dem Fußboden „Stufen“ mit Jahreszahlen und den dazugehörigen Ereignissen zu der jeweiligen Flüchtlingswelle. Auf Plakaten sind Fotos und Zitate von verschiedenen Menschen aus den jeweiligen Ländern zu sehen – es läßt einen wieder einmal ins Grübeln kommen – was müssen manche – immer mehr – unschuldige Menschen, Kinder, Frauen und Männer, ertragen, weil sie in einem Kriegsland leben, geboren worden sind. Weil… ja warum? Wenn das so einfach zu beantworten wäre, gäbe es vielleicht auch Lösungen. Ich freue mich in diesem Moment für jeden einzelnen, der das Glück hat, in Neuseeland zu landen und hier aufgenommen worden zu sein. Wir verweilen ca. 2 Stunden. Eine großen Bereich, in dem es um den ersten Weltkrieg und einen über die Terrakotta-Krieger ausChina, lassen wir aus. Die Schlange dahin ist sehr lang, und uns anstellen, dazu haben wir keine Lust. Ich bin immer wieder verwundert, dass dieses Museum wie so viele in NZ keinen Eintritt kostet. Außer der Sonderausstellungen, trotzdem! Diese Vielfalt, diese Größe, so viele Originale… So ist es für alle offen und sicherlich gehen viele hinein, weil es kostenlos ist und nehmen viel für sich mit. Ein Gewinn!


Unser Kopf kann nun auch nichts mehr aufnehmen, und wir wandern über die Hafenanlagen zur Cuba Street, die uns ein Backpacker in einem Hostel so empfohlen hat. Und wirklich, hier ist ein ganz anderes Leben als in der „normalen“ Innenstadt, in dieser einen Strasse. Viele Bars, Cafés, Hippe-Geschäfte, Künstler, Wasserspiele, schräge Menschen. Zum Wohlfühlen! Wir wandern hoch, machen Bilder und werden dabei von einer etwas schrägen Frau angesprochen – da hinten sei Mc Donalds, da sollten wir hin und Fotos machen, da sitzen Leute auf dem Fußboden. Wir verstehen nicht so ganz, was sie meint. Bernd vermutet, dass sie sich mokiert, dass Bernd Bilder macht, auf denen die Konkurrenz drauf ist: BurgerKing. Aber wir wissen es nicht und gehen die Strasse, in die sie zeigt, entlang – schaden kann es ja nicht. Bei McD.  ist aber nichts außer mehr Müll auf der Strasse, und so gehen wir die Runde zu Ende und landen wieder auf der Cuba Street. Unterwegs kommen wir an einem Geschäft vorbei, in dem sie leichte bunte sommerliche flatterhosen haben, die ich immer wieder suche. Und Hurra, meine Auserwählte passt, dazu ein Top – und wieder einmal zeigt sich, dass es einfach am meisten Spaß macht, mit Bernd shoppen zu gehen. Der schleppt mir neue Sachen zum Anprobieren an, begutachtet mit und freut sich über die Modenschau. Zum Glück für unsere Urlaubskasse passt das meiste nicht oder sieht nicht gut an mir aus, aber ich bin glücklich über meine Errungenschaft. Zum Ende gönnen wir uns noch einen Wellington-Abschluss-Cappuccino hier in einer Bar namens „QBA“ – ich finde das sehr einfallsreich.

Nun müssen wir nur noch unser Auto wiederfinden. Google sagt, es sei eine halbe Stunde entfernt. Und so laufen wir vorwiegend bergauf – doch google ist einfach nicht für Fußgänger gemacht. Durch den Botanischen Garten gibt er uns Wege, die es gar nicht gibt, sagt erst, wir seinen richtig, dann doch nicht, und so sind wir glücklich, als wir endlich den Haupteingang erreicht haben und unser Auto sehen können.
Einen kurzen Abstecher in den Countdown, wir wollen ganz edel kochen: Hähnchengeschnetzeltes mit Champignons in Sauce auf Vollkornnudeln. Dass wir dazu eine Maggi-Schnellsauce nehmen, sei uns verziehen – der Rest ist frisch und Das Huhn auch „frei laufend“ – Bio gibt es hier eh kaum und bei Fleisch schon gar nicht.
Auf dem Campground angekommen, ist die zeit dementsprechend vorangeschritten – seist fast halb acht und wir haben noch gar keinen Hunger. So duschen wir erst und lesen ein wenig, bis ich dann mit den Essensvorbereitungen beginne. Um 21:00 essen wir, so spät wie lange nicht – es ist Urlaub, also wen stört es? Und es schmeckt himmlisch!
Kein Wunder also, dass wir heute morgen ohne Frühstück losfahren – unsere Verdauungsorgane waren noch beschäftigt.

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